Im taufrischen Buch des Linzer Stadtarchivs werden die aktuell 1210 offiziell benannten Verkehrsflächen sowie 452 nicht mehr verwendete, frühere Straßennamen vorgestellt. Was dabei auffällt: Seit 1869 werden für die Namensgebung auch verdiente Personen herangezogen. Von 566 Namen würdigen lediglich 54 Frauen.
„Die Straßen und Plätze in Linz – Namen, Entwicklung, Geschichte“ – so lautet der Titel des neuen 321-seitigen Buches des Linzer Stadtarchivs. Bei der Präsentation bedankten sich der geschäftsführende SP-Stadtvize Dietmar Prammer und Grünen-Stadträtin Eva Schobesberger vor allem bei Walter Schuster für seine „aufklärende“ Arbeit in den letzten 34 Jahren. Der Archivdirektor geht in ein paar Tagen in den verdienten Ruhestand, Kollege Johannes Kaska übernimmt.
512 männliche und nur 54 weibliche Straßennamen
Was nicht nur Eva Schobesberger nachdenklich macht: Von den 1210 Linzer Straßennamen sind 566 nach Personen benannt, davon sind 512 Männer. „Frauen sind nach wie vor stark unterrepräsentiert“, so die grüne Stadträtin. Das Nachschlagewerk entstand aus dem 2022 erschienenen 1800-Seiten-Bericht der Straßennamenkommission heraus, welcher bekanntlich zur Folge hatte, dass vier Straßen aufgrund ihrer historisch belasteten Namensgeber umbenannt wurden. Früher gab es aber auch skurrile Wortschöpfungen, die sich heute wohl niemand mehr vorstellen könnte.
Von „Ludlsteg“ bis „In der Arschkerben“
So würde es bei Patienten der Barmherzigen Brüder und Schwestern wohl Unbehagen hervorrufen, wenn die Seilerstätte wie bis 1869 Geisterburg heißen würde (weil damals der Barbarafriedhof dort zu finden war). Oder die Zollamtstraße, die sich zuletzt durch innovativen Wohnbau vor allem bei der hippen Veganer-Generation großer Beliebtheit erfreut. Im 18. Jahrhundert hieß diese noch „An den Fleischbänken“. Spannend: Die Ecke Honauerstraße/Ludlgasse war einst als „Am Ludlsteg“ bekannt, ein Teil der Adlergasse als „Froschengaßl“, später als „In der Arschkerben“. Die schönste Adresse: Das einstige „Paradiesgäßchen“ – die Kaisergasse.
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