17.04.2013 17:43 |

Barisic übernimmt

Rapid beurlaubt nach Cup-Blamage Trainer Schöttel

Was die "Krone" vorab erfuhr, ist mittlerweile offiziell: Peter Schöttel ist ab sofort nicht mehr Chefcoach des SK Rapid. Nach dem sang- und klanglosen Ausscheiden im Cup-Viertelfinale gegen Pasching reagierte Präsident Rudi Edlinger am Mittwoch: Schöttel und sein Assistent Dritan Baholli wurden nach dem Vormittagstraining beurlaubt, Amateure-Trainer Zoran Barisic übernimmt das Traineramt, ihm wird Carsten Jancker zur Seite gestellt. Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Nachmittag bezeichnete Rapids Führung die Trennung von Schöttel als "unumgänglich".

"Es war kein leicht zu setzender Schritt. Es ist aber eine Entscheidung, von der wir voll überzeugt sind", sagte Edlinger. Sportdirektor Helmut Schulte bezeichnete die Tendenz der vergangenen Wochen als "erschreckend". "Nach dem Pasching-Spiel gab es nur eine Möglichkeit, um zurück auf die Siegesstraße zu kommen. Nämlich die Führung auszutauschen", führte der Deutsche weiter aus. "Irgendwann läuft das Fass über."

Schöttel für 27 Monate bezahlter Spaziergänger?
Dabei hatte Schulte, der als eine seiner ersten Amtshandlungen im Jänner den Vertrag mit Schöttel bis 2015 verlängert hatte, unmittelbar nach dem Cup-Desaster noch gemeint, der Verein stehe hinter dem Cheftrainer. Aufgrund dieser Verlängerung muss Rapid Schöttel nun wohl oder übel die kommenden 27 Monate fürs Spazierengehen bezahlen. Denn wie und ob man sich mit Schöttel finanziell einigen werde, wollte Schulte nicht öffentlich besprechen: "Wir reden nicht über Zahlen."

Schöttel bei Rauswurf-Pressekonferenz mit dabei
Überraschenderweise stellte sich auch der geschasste Schöttel nach seiner Beurlaubung den Medien. Rapids Rekordspieler erklärte, von der Entscheidung gegen seine Person nicht überrascht zu sein. Gleichzeitig richtete er einen Appell an die Rapid-Anhängerschaft. "Jetzt, wo der böse Trainer weg ist, sollte man sich wieder freuen und die Mannschaft in schwierigen Zeiten unterstützen. Denn die größten Erfolge bei Rapid hat's immer dann gegeben, wenn alle zusammengehalten haben", meinte Schöttel.

Barisic und Jancker mehr als nur eine Zwischenlösung?
Barisic und Jancker sind vorerst einmal bis Saisonende am Werk, laut Schulte wird aber eine langfristige Lösung angestrebt (siehe Infobox). Barisic kündigte vollen Einsatz an. "Wir werden alles Menschenmögliche tun, um das Vertrauen zu rechtfertigen", sagte der 42-Jährige. Im neuen Betreuerstab stehen übrigens auch Thomas Hickersberger und Raimund Hedl, zudem wird Alexander Steinbichler, der mit Barisic bei den Amateuren als Athletiktrainer gewerkt hatte, auch bei den Profis in dieser Funktion arbeiten.

Hoffen auf neuerlichen "Zoki-Effekt"
Wie schon vor Schöttels Amtsantritt wird Barisic, der im Frühjahr 2011 nach Peter Pacults Rauswurf für kurze Zeit den sogenannten "Zoki-Effekt" ausgelöst hatte, die Trainingseinheiten leiten. Barisic war damals mit drei Siegen aus den ersten drei Pflichtspielen gestartet. Seine Gesamtbilanz blieb aber dennoch bescheiden: Die Hütteldorfer holten unter seiner Führung in acht Ligaspielen lediglich elf Punkte, dazu gab es im Derby gegen die Austria den unrühmlichen Platzsturm der Fans. Am Ende reichte es nur zu Platz fünf - den Platz, auf dem Barisic die Mannschaft übernommen hatte.

Ist Schöttels Demontage für Rapid-Anhang ausreichend?
Die Fans hatten bereits während des Spiels gegen Pasching auf Anfeuerungen fast gänzlich verzichtet und stattdessen "Schöttel raus"-Rufe skandiert. Für die mächtige Westtribüne ist Schöttels Demontage vermutlich aber noch immer nicht genug, forderten sie zuletzt doch auf Transparenten auch "Vorstand raus".

Schöttel hatte die Hütteldorfer in der Vorsaison zum Vizemeistertitel und im Herbst in die Europa-League-Gruppenphase geführt. Sieben Runden vor Schluss liegt Rapid in der tipp3-Bundesliga auf dem dritten Tabellenplatz. Vor dem Wiener Derby am Sonntag fehlen aber bereits 20 Punkte auf Tabellenführer Austria.

Rückzug aus der "Rapid-Öffentlichkeit" bis Saisonende
Zumindest bis Saisonende will sich Schöttel nun nicht mehr zum Geschehen rund um Rapid äußern. "Es gibt so viele Ex-Rapidler, die sich in diversen Medien wichtigmachen. Das werde ich sicher nicht tun. Ich wünsche mir, dass die Mannschaft das erklärte Ziel internationaler Startplatz erreicht. Da schaut es ja nicht so schlecht aus." Schließlich liegt Rapid ja trotz der mageren vergangenen Wochen nach wie vor auf Platz drei der Tabelle.

Dass er noch einmal in offizieller Mission bei den Grün-Weißen arbeiten wird, schließt Schöttel aus. "Ich denke, das war meine letzte Station bei Rapid. Denn ich habe nicht das Ziel, Präsident zu werden."

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