"Ich glaube, das war ja immer schon eine Wiener Spezialität, auf etwas zu schimpfen", meint Kursleiterin Martha Kellner. Worauf die Wiener schimpfen und wie sie das anlegen, will sie dem Spanier Torres, der Tschechin Katerina Kradjel und zwei polnischen Kursteilnehmerinnen in etwa drei Stunden überblicksmäßig beibringen.
Sie erfahren etwa, dass es im Deutschen auffallend viele tierische Schimpfwörter gibt, von "Angsthase" über diverses Geflügel ("Aasgeier", "Rabenmutter" oder "-vater", "Schluckspecht", "Pfau" oder der klassische "Vog(e)l", den man hat oder der man ist) bis zum "Neidhammel". Die Wörter "Ochse", "Esel", "Kuh" und "Gans" hat Torres schon verstanden. "Das heißt, das ist ein Trottel", erklärt er. Seine polnischen Kolleginnen haben eine Gemeinsamkeit zu ihrer Sprache entdeckt: "Auf polnisch verwenden wir auch besonders viele Tiere."
"Drecksau" ist unter jeder Sau
Schweinen aller Art widmet Martha Kellner besonders viel Aufmerksamkeit. Sie erklärt, warum ein "Sauschädel" ein Schimpfwort sein kann, aber nicht sein muss, bringt ihren Schützlingen bei, was "Schwein haben" bedeutet, und warnt eindringlich vor dem Gebrauch der "Drecksau": "Das ist sehr vulgär, sehr ordinär." Unter jeder Sau eben, weil dieser Ausdruck noch weniger Niveau als ein Schwein hat.
Auch Gender-Differenzen arbeitet die Kursleiterin heraus: Für Frauen gibt es mehr Schimpfwörter als für Männer. Kradjel, Torres und die anderen erfahren, dass der Begriff "weiblich" harmlos ist, das Hauptwort "Weib" oder gar die Mehrzahl "Weiber" höchst beleidigend ist. Von "Schlampen" und der wienerischen Entsprechung "Flitscherln" gar nicht zu reden - Kellner merkt an, dass die Wiener hier immer Frauen mit ungeordneten sexuellen Beziehungen meinen. Männer bekommen bei "Muttersöhnchen", "Hallodri" oder "Spechtler" ihr Fett ab.
"A Eitrige, mid an Bugl. Und aamoi dazuagschissn"
Bei einem Lehrgang über das wienerische Schimpfen darf der Würstelstand nicht fehlen. Aber die Kursleiterin warnt ihre Schützlinge: "Das Wienerische ist supereklig. Wenn Sie es einmal gehört haben, werden Sie Vegetarier." Und spielt ihnen ein Hörbeispiel vor, auf dem Josef Hader eine Wurst bestellen darf: "A Eitrige, waun's ma gabadn. Jo, mid an Bugl. Und aamoi dazuagschissn." Zum Glück folgt die norddeutsche Übersetzung: "Geben Sie mir bitte eine Käsekrainer. Ja, mit einem Brotkanten (Scherzerl). Und einem Klacks Senf." Anzumerken bleibt, dass viele Wiener bei einem "gschissenen" Senf automatisch den süßen Kremser Senf meinen.
Die Teilnehmer haben schon ihre Lieblingsinsultationen gefunden: "Hoit die Pappn", "Alles ist deppat", "Schleich dich", "Schluckspecht" und "Ohgschnittana" (Abgeschnittener, für zu kleine Menschen, Anm.) werden genannt.
Kultur der Leute über die Sprache kennenlernen
Kradjel und Torres zeigen sich zufrieden: "Ich habe einige Wörter gehört. Aber ich werde sie nicht wirklich benutzen, weil ich finde, dass es bei den Heimischen einfach echt klingt und bei einem Ausländer doch komisch. Was aber sicher geht, ist: Bist du deppat!", betont die nahezu perfekt Deutsch sprechende Tschechin. "Ich habe mich für diesen Kurs entschieden, weil ich meiner Meinung nach schon relativ gut Deutsch spreche, aber gerade dieses Gebiet noch nicht so gut kenne." Die Sprache zu kennen sei wichtig: "Umso besser versteht man die Kultur der Leute. Und schimpfen ist, glaube ich, in Österreich und vor allem in Wien von großer Bedeutung."
Martha Kellner, die normale Deutsch-Intensivkurse abhält, veranstaltet diesen Minikurs, weil "es mir selbst Spaß macht und ich zweitens davon was lernen kann". Und für die VHS Meidling sind dieser und andere Minikurse ein wichtiges Angebot zum Schwerpunkt Deutsch als Zweitsprache, erläutert Nicolette Wallmann, Direktorin der VHS.
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