15.03.2013 15:11 |

Zerg-Add-on im Test

Schleimiger Spaß: "Starcraft II: Heart of the Swarm"

Rund drei Jahre nach dem Erscheinen von "Starcraft II: Wings of Liberty" liefert Blizzard nun endlich das Add-on zum gefeierten Weltraum-Echtzeitstrategiespiel, das auch heute noch Millionen von Multiplayer-Spielern weltweit in seinen Bann zieht. Spielten im ersten Teil der als Trilogie geplanten Starcraft-II-Saga noch die Terraner die Hauptrolle, übernehmen diesen Part nun die schleimigen Zerg-Aliens unter ihrer Königin Kerrigan. Wie sich das Add-on spielt und ob sich das fast dreijährige Warten auf die im Hauptspiel schmerzlich vermisste Zerg-Kampagne gelohnt hat, klärt unser Test.

Als "Starcraft II: Wings of Liberty" vor rund drei Jahren erschien, war die Freude unter den Fans der Science-Fiction-Saga getrübt. Mit den Menschen war nur eine der drei Fraktionen aus dem "Starcraft"-Universum in einer Solokampagne spielbar, Fans des schleimigen Alien-Volks der Zerg oder der fortschrittlichen Protoss mussten sich zunächst damit abfinden, dass ihre Lieblingsfraktionen keine eigene Kampagne spendiert bekamen.

Endlich eine Kampagne für die schleimigen Zerg
Hersteller Blizzard versprach, die fehlenden Zerg- und Protoss-Kampagnen mittels Add-on nachzureichen. Drei Jahre und mehrere Verschiebungen später ist das Zerg-Add-on "Heart of the Swarm" nun endlich da – und fängt dort an, wo die Menschenkampagne aufhörte. Die verratene Sarah Kerrigan hat die Kontrolle des Schwarms der insektenähnlichen Zerg-Aliens übernommen und muss ihn wieder zu alter Stärke führen.

Wer "Wings of Liberty" gespielt hat, wird sich in "Heart of the Swarm" sofort zurechtfinden. Für Quereinsteiger, die gleich mit dem Add-on loslegen wollen, eignet es sich hingegen weniger. Die Geschehnisse aus dem Hauptspiel werden in der Zerg-Kampagne nicht ausreichend erklärt, wer das Hauptspiel noch nicht kennt, der ist gut beraten, zunächst die Menschen-Kampagne zu spielen, bevor er sich dem Zerg-Schwarm widmet.

Zerg-Königin mit menschlichen Zügen
Die Handlung der Einzelspielerkampagne rund um Kerrigan und den Zerg-Schwarm, die im rieseigen Raumschiff Leviathan durch die Galaxis fliegen und Jagd auf den bösen Arcturus Mengsk machen, mag zwar nicht sonderlich einfallsreich sein, ist dafür aber packend erzählt. Dass sich Zerg-Königin Kerrigan gelegentlich ihrer menschlichen Wurzeln besinnt und zumindest versucht, ihre schleimigen Lakaien im Zaum zu halten, verleiht der Geschichte etwas mehr Tiefgang. Die in die Handlung eingebaute Liebesgeschichte hätte es aus unserer Sicht zwar nicht gebraucht, sie fällt aber zumindest nicht störend auf.

Beim Gameplay von "Starcraft II: Heart of the Swarm" bleibt alles beim Alten. Wie schon im Hauptspiel, werden die Partien aus der isometrischen Perspektive mit Maus und Tastatur gesteuert. Die Zerg-Fraktion spielt sich dabei deutlich anders als die Menschen aus "Wings of Liberty" und setzt vor allem auf große Massen kleiner Zerglinge, die von größeren Einheiten unterstützt werden. Gut haben uns die Mutationsmöglichkeiten der einzelnen Einheiten gefallen, durch die die schleimigen Aliens Spezialfähigkeiten erlernen. Das bringt taktische Tiefe ins Spiel und lädt zum Experimentieren ein.

Heldin Kerrigan kämpft an der Seite ihrer Armee
Natürlich mischt sich auch Protagonistin Kerrigan unter ihre Armee und unterstützt sie mit etlichen Spezialfähigkeiten. Ein Erfahrungspunktesystem lässt die Königin des Alien-Schwarms dabei immer wieder neue Fähigkeiten lernen und bringt Rollenspielelemente ins Spiel, wie sie auch bei Blizzards Echtzeitstrategie-Meilenstein "Warcraft 3" bereits existierten. Das Missionsdesign ist angenehm abwechslungsreich, in fast jeder der insgesamt zwanzig Missionen der Zerg-Kampagne überrascht Blizzard den Spieler mit unvorhergesehenen Ereignissen oder besonders schrägen Spielelementen.

Beispiel gefällig? In einer Mission steuert der Spieler statt Kerrigan oder dem Zerg-Schwarm zunächst nur eine einzelne Larve, die ein Raumschiff infiltrieren muss. In bester "Alien"-Manier wird dann die Mannschaft infiziert und eine Zerg-Armee ausgebrütet, die sich durch die Gänge des Schiffs kämpft.

Wer bei Echtzeitstrategiespielen besonders den Basisbau mag, könnte in der Kampagne allerdings teilweise zu kurz kommen. Relativ oft stellt das Spiel für eine Mission nur eine Reihe von Kommandoeinheiten und Heldin Kerrigan bereit und verzichtet auf den Basisbau. Allzu große Befestigungsanlagen sind aber ohnehin nicht drin, denn die einzelnen Aufträge dauern meist nicht allzu lang, im Schnitt sind die Einsätze in einer halben Stunde erledigt.

Massenschlachten und Basisbau gibt es nur selten
Auch wenn die Einsätze kurz sind, laufen sie doch actionreich ab – möglicherweise zu actionreich für Spieler, die zunächst gerne gemächlich eine Basis bauen und erst nach und nach Angriffe starten. Wie schon in "Warcraft 3", setzt Blizzard auch im neuen "Starcraft"-Ableger auf relativ schnelle, hitzige Gefechte mit eher wenigen Einheiten. Echte Massenschlachten sind selten, selbst wenn die Zerg-Fraktion im Vergleich zu den Menschen mit größeren Armeen schwächerer Einheiten ins Feld zieht und oft eher auf Quantität denn auf Qualität setzt.

Doch auch wenn klassische Echtzeitstrategie-Elemente teils ein wenig vernachlässigt werden, bietet das Spiel durchwegs viel Spannung. Dazu tragen auch die packenden Bosskämpfe bei, die stellenweise an Auseinandersetzungen aus Action-Rollenspielen wie "Diablo 3" erinnern. In diesen Kämpfen sind dann auch immer wieder die Spezialfähigkeiten von Heldin Kerrigan und ihren Lakaien gefragt.

Stimmiges Comic-Design, etwas altbackene Optik
Der Optik von "Starcraft II: Heart of the Swarm" ist anzusehen, dass das Hauptspiel mittlerweile schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Aus aktueller Hardware ließe sich grafisch sicherlich mehr herausholen, da es sich bei "Heart of the Swarm" aber um ein Add-on handelt, das auf dem grafischen Grundgerüst des drei Jahre alten Hauptspiels aufbaut, sei ihm diese Schwäche verziehen. Durch den hübschen Comic-Stil, den Blizzard für das Game gewählt hat, wäre überbordender optischer Realismus ohnedies fehl am Platz. Die altbackene Grafik hat einen angenehmen Nebeneffekt: Das Spiel läuft auch auf älteren Rechnern rund. Nett sind zudem die Blizzard-typischen spektakulären Rendervideos, mit denen die Story vorangetrieben wird.

Die Vertonung des Spiels ist Blizzard gut gelungen, sowohl was die stimmungsvolle und atmosphärische Musik angeht als auch bei der Vertonung der Protagonisten. Dabei gilt: Zwar sind Kerrigan und Konsorten gut synchronisiert, aber nicht alles, was sie während des Spiels von sich geben, wirkt auch authentisch. Die Soundeffekte wiederum passen gut und tauchen die Schlachtfelder in eine spektakuläre Kulisse.

Wer keine Hotkeys kennt, kommt nicht weit
Die Steuerung von "Heart of the Swarm" orientiert sich an jener des Hauptspiels, mancherorts hat Blizzard nachgebessert, insgesamt werden sich Freunde der Saga jedoch schnell zurechtfinden. Einzig Spieler, die Strategie-Games mit Vorliebe ausschließlich mit der Maus spielen, werden vom Zerg-Add-on wohl nicht so begeistert sein. Das Spiel verlangt die Kenntnis zahlreicher Tastenkombinationen, um die Zerg-Armeen wirklich effektiv in die Schlacht führen zu können. Das Mikromanagement wird nämlich schnell zur Tortur, wenn es ausschließlich mit der Maus erledigt wird.

Dieser Umstand kommt insbesondere im Multiplayer-Modus zum Tragen, wo schnelle Reaktion über Gewinnen oder Verlieren entscheidet. Den Spielern scheint das so aber auch ganz gut zu gefallen, schließlich genießt "Starcraft II" mit seinen schnellen und harten Online-Gefechten auch drei Jahre nach seinem Erscheinen einen ausgezeichneten Ruf. Mit dem Add-on kommen im Mehrspielermodus zahlreiche neue Einheiten für die verschiedenen Fraktionen hinzu, die dem Spieler zu mehr taktischen Möglichkeiten als im Hauptspiel verhelfen, dabei aber stets gut ausbalanciert sind. Jede Einheit hat ihren natürlichen Feind, Monokultur-Armeen haben auch im neuesten "Starcraft"-Ableger keine echte Chance.

Fazit: Mit "Starcraft II: Heart of the Swarm" liefert Blizzard ein gelungenes zweites Kapitel seiner "Starcraft II"-Saga nach, die durch eine packend erzählte Story, abwechslungsreiche Missionen und die gewohnten Stärken des Hauptspiels überzeugt. Mit ungefähr 15 Stunden Spielzeit ist die Kampagne zwar etwas kurz geraten, dafür bietet das Game zusätzlich sehr gute Mehrspieler-Unterhaltung, die besonders von den neuen Einheiten des Add-ons profitiert. Zwar designtem Comic-Look und läuft auch auf älteren Rechnern.

Wer das Game spielen will, braucht zusätzlich zum rund 40 Euro teuren "Heart of the Swarm"-Add-on das Hauptspiel und einen Account für Blizzards Multiplayer-Netzwerk Battle.net. Man darf schon jetzt gespannt auf das Protoss-Add-on "Legacy of the Void" sein - und hoffen, dass bis zu dessen Veröffentlichung keine drei weiteren Jahre ins Land ziehen.

Plattform: PC
Publisher: Blizzard
krone.at-Wertung: 8/10

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