„Krone“-Kolumnist Harald Petermichl hat sich die Königsklasse im Fußball genauer angeschaut. Und kam zu dem Schluss, dass die UEFA mit der Entwicklung der Champions League alles richtig gemacht hat. Oder vielleicht auch nicht.
Am 31. Mai 2025 ist es endlich so weit. Dann wird in der Fußballarena in Fröttmaning, unweit des altehrwürdigen Klärwerks München I, das Endspiel der Champions League 24/25 stattfinden. Es bleibt bis dahin also Zeit genug, um aus 36 antretenden Teams die beiden Finalisten zu ermitteln und man braucht dafür gerade mal 188 Spiele, von denen allein 144 nur zu dem Behufe ausgetragen werden, zwölf Teams zu eliminieren. Davon ausgehend, dass es keine Verlängerungen geben wird und allfällige Nachspielzeiten außen vor gelassen, werden somit bis zum Finale 282 Stunden, mithin fast zwölf volle Tage Champions League-Fußball über die Bühne gegangen sein. Das war beileibe nicht immer so, denn als der Bewerb noch Europapokal der Landesmeister hieß, wurde markant weniger gespielt und am Ende gab es trotzdem immer einen Sieger.
Sechzig Jahre vor Fröttmaning zum Beispiel, als Inter Mailand das Finale gegen Benfica Lissabon gewann, waren bis dahin bloß 61 Matches gespielt worden. Und das, obwohl seinerzeit auch schon 32 Mannschaften am Wettbewerb teilnahmen und es bei Gleichstand nach zwei Spielen ein zusätzliches Entscheidungsspiel und notfalls sogar einen Losentscheid gab. Damit die ersten sechzehn ausscheiden konnten, brauchte man 33 Begegnungen, ergo über 100 weniger, als man heute zum Aussortieren derer zwölf benötigt. Dennoch scheint dem Zufall nicht Tür und Tor geöffnet gewesen zu sein, denn Teams wie die Sliema Wanderers, Gornik Zabrze (damals im deutschen Sportjournalismus immer noch gerne Gornik Hindenburg genannt), Lahden Raipas oder Chemie Leipzig suchte man bereits im Achtelfinale vergeblich.
Diese einer seltsam fernen Zeit entsprungene knackige Variante, einen Pokal auszuspielen, hatte allerdings einen Riesennachteil: Es war deutlich weniger Phantasie gefragt, wie mit Punktgleichheit umzugehen sei, als das in der aktuellen 36er-Liga der Fall ist. Und so kamen Fußballfans in den 1960er-Jahren nie in den Genuss von smarten Regelungen wie beispielsweise die, dass die „höhere Anzahl von Punkten, die die acht Gegner des betreffenden Klubs erspielt haben“ oder die „bessere gemeinsame Tordifferenz der acht Gegner“ den Ausschlag gibt, sollten Tordifferenz, Anzahl der Auswärtstore oder sonstiger Schnickschnack noch keine Entscheidung über den Tabellenplatz herbeigeführt haben. Allein dies ist ein unschätzbarer Mehrwert des neuen Liga-Modells und die UEFA scheint schon wieder mal alles richtig gemacht zu haben. Wie immer und ausschließlich zum Wohle des Fußballs, versteht sich.
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