Entführungsdrama

Botschafter im Jemen: “Zeitdruck macht es schwierig”

Österreich
28.02.2013 17:01
Er kämpft seit Wochen um die Freilassung von Dominik Neubauer, hetzt von Termin zu Termin - Gregor Kössler (im Bild mit einem Mitarbeiter), Österreichs Botschafter für Saudi-Arabien, Oman und Jemen. Der Diplomat leitet das vierköpfige Krisenteam in Sanaa. Gemeinsam mit Kollegen vom Verteidigungs- und Innenministerium ist er die heimische Speerspitze bei den Verhandlungen. Im "Krone"-Gespräch erzählt er von Polit-Entwicklungen, Bemühungen der EU, dem Ultimatum und wie man die Video-Botschaft entdeckte.

"Krone": Herr Botschafter, wie beurteilen Sie die Lage im Jemen?
Gregor Kössler: Die Regierung will einen nationalen Dialog, befindet sich wegen der politischen Situation (Anschläge, Al-Kaida) aber in der Dauerkrise. Im Süden gibt es seperatistische Tendenzen, die sogar zum Bürgerkrieg führen könnten. Ein weiteres Problem für Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi ist, dass sein Vorgänger Ali Abdullah Saleh, der sich im Zuge des arabischen Frühlings zurückziehen musste, immer noch viele Zügel in den Händen hält. Am Mittwoch kam es in Sanaa erneut zu einer Großdemonstration für ihn.

Den "Krone"-Lokalaugenschein am Ort der Entführung findest du in der Infobox!

"Krone": Welche Rolle spielt Präsident Hadi im Geiseldrama?
Kössler: Er musste sich aufgrund der aktuellen Unruhen in den Süden nach Aden begeben. Er hat die Entführungscausa aber zur Chefsache erklärt. Als Regierungschef hat er ein ureigenes Interesse daran, dass der Mann wieder freikommt.

"Krone": Wie viel Europäer werden derzeit im Jemen festgehalten?
Kössler: Derzeit gibt es noch vier Entführungsfälle (die Schweizerin, die ein Jahr gefangen war, ist seit Donnerstag frei, Anm. d. Red.). Neben dem Österreicher werden zwei Finnen festgehalten. Und ein Saudi. Wir hoffen alle sehr, dass das Ultimatum für Dominik Neubauer verlängert wird, konkrete Anzeichen gibt es aber leider noch nicht. 

"Krone": Arbeiten Sie mit den Finnen vor Ort zusammen?
Kössler: Wir kooperieren und tauschen uns regelmäßig aus. Besonders wichtig war für uns jedoch auch die Unterstützung durch die EU-Botschafterin vor Ort. Die EU ist in Sanaa mit einer Delegation vertreten.

"Krone": Wer hat das YouTube-Video der Kidnapper im Internet eigentlich entdeckt?
Kössler: Ein Kollege aus dem Team ist bei einer Routine-Recherche am Samstag auf das Video gestoßen. Offenbar wurde es schon zwei Tage zuvor online gestellt.

"Krone": Was hat sich seit der Veröffentlichung des Videos und des Bekanntwerden eines Ultimatums bei ihren Bemühungen verändert?
Kössler: Der Zeitdruck ist hinzugekommen, und der macht das Unterfangen natürlich wesentlich schwieriger.

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