In Österreich sind sie die Größten. In dieser Woche organisieren sie die Jugend-Europameisterschaft. Was die Mitglieder des Boccia-Vereins Innsbruck sonst noch auszeichnet, verraten sie bei einem Probetraining.
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Schließlich soll es ein großes Sportfest werden – die Boccia Jugend-Europameisterschaft, die von Mittwoch bis Samstag in Innsbruck ausgetragen wird.
„Das spielen doch die Männer im Süden so gerne am Strand?“ Diese Frage hört Beate Reinalter, Obfrau des Innsbrucker Boccia-Vereins, oft. „Komm einfach mal vorbei und probier es selbst aus“, antwortet Reinalter dann gerne. Denn der Unterschied zwischen der Präzisionssportart und dem Zeitvertreib am Strand lässt sich nicht einfach erklären. Doch wer die Innsbrucker Boccia-Halle direkt unter der Autobahn (Bleichenweg 54) besucht, kann die Faszination sehen, spüren – und selbst erfahren.
Mehrere Generationen unter einem Dach
Boccia ist die italienische Variante des Boule-Spiels. Alle Mitspieler haben die Zielkugel im Visier. Ihr will jeder ganz nahe kommen. Wie man das macht, dazu gibt es viele Strategien und Regeln. „Konzentration ist alles“, sagt Simon Gadner. Der 16-Jährige ist eine der großen Tiroler Medaillenhoffnungen bei dieser Jugend-EM. Gemeinsam mit Bruder David (18) hat er in den vergangenen Wochen viel trainiert.
Mein Opa hat mich mit der Boccia-Leidenschaft infiziert.
Simon Gadner
„Mein Opa hat mich mit der Boccia-Leidenschaft infiziert“, meint Simon lachend und schaut zu Opa Andrä. Der misst sich gerade auf der Parallelbahn mit Spielern seiner Generation. „Boccia kann man in jedem Alter spielen. Was man braucht: eine ruhige Hand, gute Konzentration und Nerven“, fasst Vereinsobfrau Reinalter zusammen.
Innsbruck mit größtem Verein in Österreich
Voraussetzungen, die in Innsbruck offenbar einige haben. Immerhin ist der Tiroler Boccia-Verein mit rund 130 Mitgliedern der größte in Österreich. „Und jener mit dem größten Frauenanteil“, ergänzt Reinalter nicht ohne Stolz. 24 der Innsbrucker Spieler sind regelmäßig bei bundesweiten und internationalen Spielen vertreten. Mit dem gebürtigen Italiener Niki Natale gehört auch ein Weltmeister zum Team. „Wer einmal Feuer gefangen hat, den begleitet dieser Sport ein Leben lang“, meint die Obfrau.
Klinkenputzen, um die Jugend zu animieren
Schwieriger werde es jedoch, die Jugend für die Kugeln zu gewinnen. Zu groß die Konkurrenz an anderen Freizeitaktivitäten. Doch die Innsbrucker Boccia-Familie nimmt das nicht einfach hin. Da kommt es schon vor, dass die Obfrau an fremde Türen klopft, um zu Probespielen einzuladen.
So kam auch Evi Werth (18) in den Verein. Aus Höflichkeit folgte sie der Einladung Reinalters, heute gehört sie zu den besten Spielerinnen des Vereins. Ihre kleine Schwester Lidonya (10) eifert ihr nach. „Ich will so gut werden wie Evi“, formuliert diese ihre sportlichen Ziele. Die große Schwester freut’s. Sie kann sich ein Leben ohne Boccia nicht mehr vorstellen. Die anderen im Verein auch nicht. Wenn sie die Trainingshalle betreten, bleibt der Ärger des Alltags draußen. Drinnen ist die Welt eine bunte Boccia-Kugel.
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