HIV-Zahlen explodieren
Moskau: Elton Johns Aids-Stiftung ist unerwünscht
Während die HIV-Zahlen in Russland bedenklich hoch sind, hat der Kreml nun auch noch die Aids-Stiftung des britischen Musikers Elton John zur unerwünschten Organisation erklärt.
Das UN-Programm für HIV und Aids berichtete im vergangenen Jahr von einer besorgniserregenden Entwicklung der HIV-Zahlen in Osteuropa und Zentralasien. Während die Neuinfektionen weltweit seit 2010 zurückgingen, seien sie vor allem in Osteuropa und Zentralasien gestiegen. Russland sei von Neuansteckungen besonders betroffen.
Seit Jahrzehnten widmet sich die Elton John Aids Foundation dem Kampf gegen HIV und Aids weltweit. Sie unterstützt nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren auch Partner in der Ukraine. Seit Beginn des Angriffskriegs 2022 habe sie mehr als vier Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt.
Der Kreml wettert nun, die Organisation verhalte sich negativ gegenüber einer Politik, die „traditionelle geistig-moralische Werte verteidigt“. Die Einstufung als unerwünschte Organisation kommt in Russland einem Verbot gleich.
Seit dem Beginn der militärischen Spezialoperation – wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine in Russland offiziell genannt wird – beteilige sich die Stiftung des Superstars an einer Kampagne des Westens zur Verunglimpfung Russlands, meckerte die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau.
Ziel der Stiftung sei zwar die Unterstützung von Vereinigungen zur Aids-Prävention und -Bekämpfung, hieß es weiter. „Aber in größerem Maß sind sie konzentriert auf die Propaganda nicht traditioneller sexueller Beziehungen, westlicher Familienmodelle und Geschlechtsumwandlungen.“
Mehr als eine Million Menschen in Russland HIV-positiv
Vor dem Hintergrund der enormen Ansteckungszahl ist diese Entscheidung natürlich besonders bitter. Derzeit lebten etwa 1,2 Millionen Menschen in Russland mit HIV, schilderte der russische Epidemiologe Wadim Pokrowski im Dezember der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Zum Vergleich: Das Robert Koch-Institut schätzte die Zahl in Deutschland zuletzt auf 96.700 Menschen. Kriminalisierung und Diskriminierung gefährdeter Gruppen machen Prävention und den Kampf gegen Aids in Russland schwer.

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