Viele Jahre hat der Grazer Star-Literat Clemens J. Setz auf Twitter nicht nur eigene Gedichte veröffentlicht, sondern dort auch ganz neue Formen der Poesie entdeckt. Doch dann kam Elon Musk. In seinem neuen Buch nun blickt Setz zurück auf die goldenen Zeiten der Twitter-Poesie.
Als Elon Musk im Oktober 2022 Twitter übernahm und daraus X formte, war das auch literarisch das Ende einer Ära. Der Grazer Autor und Büchner-Preisträger Clemens J. Setz hatte bis dahin nicht nur selbst Gedichte dort veröffentlicht, sondern auf Twitter auch einige der spannendsten Lyriker der Gegenwart entdeckt, die in der Beschränkung auf 280 Zeichen pro Tweet eine kreative Herausforderung fanden. Doch Musk hob die Zeichenbeschränkung auf und ließ alte Profile, die schon länger nichts gepostet hatten, sperren – darunter auch einige von Setz’ liebsten Twitter-Poeten.
„Hatte jemals irgendein einzelner Mensch eine größere zerstörerische Wirkung auf die deutschsprachige Lyrik als Elon Musk? Ich glaube nicht“, schreibt Setz nun in seinem neuen Buch „Das All im eigenen Fall“, mit dem er nicht nur eine Geschichte der Twitter-Poesie verfasst hat, sondern in dem auch all seine eigenen Twitter-Gedichte zu finden sind – allesamt wunderbar skurrile Kleinode.
Mit einem gewissen Level an Wehmut blickt der steirische Literaturstar auf eine kurze, aber intensive Phase der Neuinterpretation von Lyrik zurück – eine Zeit, in der es nicht nur Setz so schien, als könnte das Internet neue literarische Experimente befördern. Stattdessen wurde es abgelöst von #booktok, das dem Medium Buch zwar einen Weg in die Zukunft weist – jedoch in der kommerzigsten Form, die denkbar ist.
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