Nur bedrückend? Der vereitelte Terroranschlag auf eines der drei Taylor-Swift-Konzerte in Wien, der – wie wir heute berichten, zu einem „österreichischen 9/11“ hätte werden können – bleibt das alles überlagernde Thema im Land. Dabei gebe es zwei Sichtweisen, findet Claus Pándi in seiner Kolumne in der Montags-„Krone“. Die Geschichte lasse sich „in der bedrückenden Form oder auf positive Weise“ erzählen. Die Ingredienzien der negativen Erzählung: Die österreichischen Sicherheitsbehörden können und dürfen gar nichts, nur durch Hinweise ausländischer Geheimdienste konnte in letzter Sekunde ein furchtbares Blutbad verhindert werden, Zehntausende Swift-Fans sind nach der Konzertabsage am Boden zerstört, der islamistische Terror hat triumphiert, die Politik flegle in stupider Wahlkampfmanier herum und weise sich gegenseitig die Schuld zu. Die „optimistischere Variante“ beinhalte unter anderem: Durch gut abgestimmte und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den ausländischen Nachrichtendiensten und der heimischen Polizei lief alles gut, die Bösen landeten im Gefängnis, die Konzertmanager verzichteten aus Verantwortungsbewusstsein auf viel Geld, die Swifties feierten als fröhliche Gemeinschaft des Westens in den Straßen Wiens den Triumph über die Niedertracht. Und die Politik überlege gemeinsam, welche Lehren aus dem Zwischenfall zu ziehen seien. Nun, meint Pandi, liege es an uns, „wie wir sie sehen wollen: Mit mutiger Zuversicht oder mit trauriger Verzagtheit.“ Ja, darf man es denn positiv sehen?
Was gut tut! Bemerkenswert positiv ist die Wortmeldung des deutschen Professors für Wirtschaftspsychologie, Dr. Tobias Nickel. Er schreibt: „Nachdem die Taylor-Swift-Konzerte in Wien abgesagt wurden, befinden sich über hunderttausend Swifties in der Stadt. Von Jugendlichen, die sich teils ein Jahr auf das Konzert vorbereitet hatten (Freundschaftsbänder gebastelt, Outfit zur Ära gekauft, Texte gelernt und Choreographien geübt) über Hardcore-Fans bis zu Touristen aus USA und Australien.“ Der Professor urteilt: „Österreich macht es richtig“ und fragt sich: „Was hätten wir in Deutschland gemacht?“ Er vermutet: „Debatten über Terroristen, Sondersendung mit Politikern, großräumiges Absperren der Innenstadt?“ Österreich dagegen mache vor, wie es geht – vom kostenlosen Museums-Eintritt für die Ticketbesitzer, Gratis-Drinks in Wiener Bars bis zum Swift-Konzertfilm im TV. Worüber man hierzulande rede? Wie man das Beste aus der Situation macht! Professor Nickel: „So werden aus enttäuschten Konzertbesuchern Fans von Österreich.“ Und so kommt er zum Schluss, die Deutschen sollten sich etwas davon abschauen, „in kritischen Zeiten nach Möglichkeiten der positiven Umdeutung suchen“. Danke für diese Worte: Sie tun uns gut.
Kommen Sie gut durch den Montag!
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