Bei der Absage der Taylor-Swift-Konzerte geht es nicht nur um ein verpatztes Wochenende für Tausende Fans, sondern letztlich um Milliarden Euro. Wenn Stars mit ihren großen Tourneen um Wien künftig einen Bogen machen, wäre das für die Stadt ein wirtschaftliches Horror-Szenario.
Nicht nur für Fans von Taylor Swift und die Sicherheitsbehörden bedeuten die wegen Terrorgefahr abgesagten Konzerte den Ausnahmezustand, auch die Wirtschaftstreibenden in der Stadt halten den Atem an. 100 Millionen Euro Wertschöpfung für Wien hätten allein die drei Konzerte bedeutet, und vor allem: Die Folgen sind ungewiss. Wenn Wien nicht mehr im Tourplan großer Stars stünde, wären die Folgen für die Stadt verheerend.
„Die Leute sind ja schon da“
Der aktuelle Schaden dürfte sich laut der Wiener Wirtschaftsagentur in Grenzen halten. Eine Stornierungswelle bei den Hotels blieb aus, wie der Sprecher der Österreichischen Hoteliervereinigung, Oliver Schenk, erklärt: „Teilweise sind die Leute ja schon da.“ Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner Kettner ist sich sicher, dass angereiste Fans wohl kaum ihre Flüge umbuchen werden. Also wird weiter Geld in die Kassen der Stadt gespült, auch Swifties müssen schließlich essen und trinken.
Das Aus für die Konzerte trifft nicht nur Hunderttausende Fans, sondern auch den Tourismus- und Kulturstandort Wien.

Wiens Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ)
Bild: Zwefo
An einen dauerhaften Imageschaden für die Stadt glaubt Kettner nicht. Wien sei „eine der sichersten Städte der Welt“, das habe gerade das Aufdecken der Anschlagspläne bewiesen. Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke räumt allerdings ein, dass man das Ausmaß der Folgen „zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abschätzen“ könne. In seinem Büro verweist man aber auf die kommenden vier Konzerte der britischen Band Coldplay, deren Vorbereitung weiter nach Plan läuft, was beweise: „Wien ist eine sichere Stadt, in der auch in Zukunft sichere und großartige Veranstaltungen über die Bühne gehen werden.“
Um 166 Prozent mehr Buchungen als üblicherweise Ende August verzeichnen die Wiener Hotels rund um die Tage der Auftrittsserie der Band Coldplay.
Veranstalter sehen Gefahr als überall gleich hoch an
Kettner und Hankes Büro freuen sich überdies über das „gemeinsame Feiern und Singen“ der Swifties in der Stadt, die Angst und Sorge mit dem „positiven Signal“ kontern: „Wien ist eine Stadt der Lebensfreude und des Miteinanders.“ Das bringt laut Kettner „weltweite Aufmerksamkeit, und zwar im besten Sinne.“ Auch weil Bedrohungsszenarien heutzutage „global präsent“ seien, werde Wiens Ruf nicht besonders leiden, hofft man in Hankes Büro.
Hinter vorgehaltener Hand heißt es auch in der internationalen Veranstalterbranche, dass Gefahren inzwischen einfach zum Geschäft gehörten und sogar Städte, wo es schon zu Anschlägen gekommen sei, keinen Schaden als Veranstaltungsorte genommen hätten. Auch die Chancen, die künftige Arena in St. Marx zu füllen, sollen dadurch nicht geschmälert sein. Es gilt also, um es mit Taylor Swift zu sagen, die Devise: „You Need To Calm Down“ (Du musst Dich beruhigen).
Stadt verwöhnt Swifties, wo sie nur kann
Nicht umsonst umsorgt die Stadt deshalb die Fans von Taylor Swift, die zu Tausenden nach Wien gekommen sind. Sie sollen die Stadt trotz der Konzertabsagen in bester Erinnerung behalten: „Swifties“ wird – mit Ticket-Kaufnachweis für eines der Konzerte – Ersatzprogramm für das ganze Wochenende geboten, an dem die Konzerte stattfinden hätten sollen. Die Stadt bietet etwa Gratis-Eintritt ins Stadionbad und die Wien-Holding-Museen. Andere Museen wie das MAK und die Albertina haben sich angeschlossen.
Für alle städtischen Bäder gilt ermäßigter Eintritt, im Gänsehäufel ließ Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr einen eigenen „Swift“-Corner einrichten. Auch Firmen springen auf den Zug auf: MediaMarkt etwa veranstaltet mit „wiensucht“ am Sonntag eine Schnitzeljagd auf die vergriffene Kultjacke zum Album „Tortured Poets Department“, Swarovski verschenkt Andenken. Und die Konditorei Aida, die am Stephansplatz quasi die Patenschaft über die feiernden Swifties übernommen hat, gibt ihnen weiter Eis aus.
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