Kämpfe in Grenzregion
Ukrainische Überraschung: Kreml in Erklärungsnot
Der ukrainische Vormarsch auf russischem Staatsgebiet sorgt für Erklärungsnotstand im Kreml. Denn dieser Angriff scheint langfristig geplant gewesen zu sein, so Experten.
Bei einem der größten ukrainischen Angriffe auf russisches Territorium in diesem Krieg drangen nach russischen Angaben am 6. August rund 1000 ukrainische Soldaten in der russischen Grenzregion Kursk ein. Sie hätten die Staatsgrenze mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen überquert und seien von Drohnenschwärmen und Artilleriefeuer gedeckt worden. Wie kann das sein, wo man doch die Ukraine wieder in der Defensive wähnte?
„Der ukrainische Vorstoß dürfte tatsächlich das Ergebnis sorgfältiger Planungen sein. So wurden bereits in den Wochen vor dem Angriff im jetzt betroffenen Raum von den Ukrainern gezielt russische Kommunikationseinrichtungen zerstört“, so Experte Oberst Markus Reisner zur „Krone“. Nach dieser Vorbereitung erfolgte der Angriff.
Bundesheer-Experte: „Wichtiger Zeitpunkt für die Ukraine“
Überraschend und zielsicher. Das ist mit Sicherheit kein Ruhmesblatt für die russische Aufklärung. Der Kreml konzentrierte sich so sehr auf die eigene Offensive im Donbass, dass man die ukrainischen Vorbereitungen komplett ignorierte. Ein Problem für Moskau: „Denn hinzukommen nun die Bilder von Zerstörungen und Evakuierungen russischer Dörfer sowie Kolonnen russischer Gefangener, darunter vermutlich Wehrpflichtige“, so Reisner.
Russland wird nun versuchen, diese Blamage auszumerzen und wohl russische Streitkräfte in die Region verlegen. Eventuell so viele, dass der Druck auf die Front im Donbass gemindert werden kann. „Dort hat sich die Lage zuletzt ziemlich zugespitzt“, erklärt Reisner. „Der Erfolg in der Region Kursk kommt also zu einem wichtigen Zeitpunkt für die Ukraine.“ Nun müsse das Gebiet, in das man relativ rasch vorgedrungen ist, aber auch gehalten werden.
Der Krieg ist nach Russland zurückgekehrt
Der Ukraine ist es jedenfalls gelungen, die Aufmerksamkeit auf ihre Offensive zu lenken. Logisch. „Die Kämpfe finden nun auf russischem Boden statt“, sagt Reisner. „Gleitbomben, Artilleriegranaten und Raketen schlagen jetzt in russischen Dörfern ein. Die Bilder der Zerstörungen widersprechen dem russischen Narrativ der Spezialoperation.“ Der Krieg ist neuerlich in Russland angekommen, Putin und seine Führung stehen unter Erklärungsnot.










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