07.01.2013 14:08 |

Schlangen, Bären etc.

Burma: Gefährdete Tiere landen auf dem Teller

Nicht alle streben nach Erleuchtung, wenn sie den Goldenen Fels in Burma besuchen. Viele treten die Reise an eine der heiligsten buddhistischen Stätten des Landes wegen einer ganz besonderen Delikatesse an: In einigen Restaurants rund um den Felsen kommen vom Aussterben bedrohte Wildtiere auf den Teller.

Gegessen werden Schlangen, Affen und Otter, aber auch Stachelschweine, Fischkatzen, Malaienbären (Bild) und Muntjaks - auch bekannt als bellende Hirsche. "Das Fleisch wird frittiert, gekocht, geräuchert oder in einer leckeren Currysauce serviert", sagt Restaurantbesitzer Shan Lay. "Ein kleines Gericht kostet 5.000 Kyat (4,35 Euro), ein mittleres 8.000 Kyat und ein großes 10.000 Kyat."

"Die Chinesen bestellen sogar lebende Schlangen"
Die meisten Pilger haben keine Bedenken, die gefährdeten Tiere zu essen. Vor allem Chinesen und Angehörige der Volksgruppe der Shan - der größten Minderheit im Vielvölkerstaat Burma - hauen sich die Mägen voll, erzählen Restaurantbetreiber. "Wenn die Chinesen kommen, sind die Fleischvorräte rasch ausverkauft", sagt Gastronom Ma Ma. "Sie bestellen sogar lebende Schlangen."

Das Fleisch kommt aus dem Dschungel im benachbarten Karen-Staat, einer der 14 Verwaltungseinheiten Burmas, an der Grenze zu Thailand. "Wir kaufen die Wildtiere von professionellen Jägern", erzählt Ma Ma. Diese gehören den Karen an, der zweitgrößten Bevölkerungsgruppe des Landes. Jahrelang kämpften die Karen für ihre Unabhängigkeit, ihre Dschungelkrieger galten als brutal und kompromisslos. "Sie jagen so viel, wie wir wollen", sagt Ma Ma. Wilderer und illegale Holzfäller treiben seit Jahrzehnten ihr Unwesen in den von den Karen kontrollierten Landstrichen.

In Burma sind Restaurants wie jene am Goldenen Fels keine Seltenheit. "Wildtier-Restaurants findet man immer in der Nähe von Wäldern", sagt der Umweltschützer Win Aung. Je mehr Wälder abgeholzt werden, desto schutzloser würden die Tiere.

Doch nicht nur auf dem heimischen Markt sind Wildtiere gefragt, auch der Export in Länder wie China, Thailand und Laos blüht. Das genaue Ausmaß des Handels ist nicht bekannt. Jahrelang war das von einer Militärjunta regierte Land international geächtet und durch wirtschaftliche Sanktionen isoliert. "Wir sind spät dran in Burma", sagt Steven Galster, Gründer und Direktor von Freeland Foundation, einer in Bangkok ansässigen Organisation, die gegen den illegalen Handel mit Tieren und Menschen in Asien kämpft. "Die Sanktionen haben uns außen vor gelassen."

Lahmer Kampf gegen Wilderei und illegalen Handel
Burma war seit 1962 eine Militärdiktatur. Die letzte Junta startete eine vorsichtige Öffnung mit gelenkten Wahlen im Jahr 2010. Thein Sein, ihr einstiger Regierungschef, wurde Präsident und überraschte Skeptiker mit seinem Reformeifer. Seither versucht seine Regierung auch, die Wilderei und den illegalen Handel in den Griff zu bekommen. Doch die Fortschritte lassen auf sich warten. Im vergangenen Jahr habe es in Restaurants und Schutzgebieten zwar immer wieder Überraschungskontrollen gegeben, sagt ein Mitarbeiter der Forstwirtschaftbehörde. "Aber das große Problem ist der Mangel an Personal und Finanzierung."

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