Im Wiener Böhler-Spital sind nun wieder Operationen möglich, doch ungeklärte Fragen machen den Ärzten die Arbeit im Krankenhaus, in dem es kein einziges Stationsbett gibt, schwer: Gleich nach der Öffnung des OP-Saals zeigten sich jene Probleme, vor denen die Böhlerianer von Anfang an gewarnt hatten.
Im OP-Saal des Böhler-Spitals herrscht nach Monaten wieder Betrieb – reger Betrieb: Allein in den ersten zwei Stunden nach der Wiederauferstehung des Spitals als Tagesklinik wurden so viele Rettungszufahrten verzeichnet, wie es nach den Vorab-Schätzungen während des ganzen ersten Tages mit OP-Betrieb geben hätte sollen. Und wie befürchtet werden die Böhlerianer mit den Problemen, die ein nur halb funktionierendes Spital mit sich bringt, allein gelassen.
Was tun mit Patienten, die stationäre Pflege brauchen?
Die Wiener Rettungsdienste, auch abseits der Berufsrettung, wissen, was sie an den Böhler-Teams haben. Schon ab der ersten Minute des OP-Betriebs um 8 Uhr früh wählten sie oft genug den Weg zur vertrauten Adresse. Sanitäter und Fahrer können aber kaum den Zustand von Patienten und die nötige Behandlung abschätzen. Schweren Herzens müssen die Böhler-Teams daher jene Patienten abweisen, die stationäre Pflege brauchen – und die Rettungsautos damit auf die Suche nach einem anderen Spital schicken.
Dass das Meidlinger AUVA-Krankenhaus als Schwesterspital des Böhler-Spitals an seiner sommerlichen OP-Sperre festhält, macht die Sache nicht einfacher. So hätte man zumindest „einen fixen Abnehmer“ für Patienten, die im Böhler-Spital nicht behandelt werden können, seufzt Böhler-Chirurg Heinz Brenner im Gespräch mit der „Krone“. Er und sein Team tun alles, was sie können. An die acht Patienten pro Tag finden nun im Böhler-Spital wieder Hilfe, mehr gibt die Infrastruktur im improvisierten Spitalsbetrieb kaum her.
„Tanz auf der Rasierklinge“
Die Interimslösung im Böhler-Spital verhindert zwar die sommerliche Krise in Wiens Unfallversorgung, vor der die Böhlerianer gewarnt hatten – mit den zahlreichen ungeklärten Fragen und Patienten, die im Kreis geschickt werden müssen, bleibt die Situation aus Brenners Sicht jedoch ein „Tanz auf der Rasierklinge“. Zumindest hat aber nun ein Teil der Böhler-Belegschaft wieder am gewohnten Ort zusammengefunden. Und Mitte Juli steht die nächste Sitzung des Verwaltungsrats als höchstem Gremium der AUVA an: Dann muss die für Anfang 2025 versprochene Containerspital-Lösung in konkrete Formen gegossen werden.
Milliardendeal für das AKH
Auf sichereren Pfeilern ruht unterdessen das AKH: Bund und Stadt einigten sich auf eine neue Zielvereinbarung zum gemeinsam betriebenenen Universitätsklinikum. Bis zum Jahr 2033 hat sich Wien zu einem Finanzierungsbeitrag von 860 Millionen Euro verpflichtet, der Bund steuert 810 Millionen bei – macht in Summe 1,67 Milliarden Euro. Damit soll nicht nur die Patientenversorgung sichergestellt, sondern auch die MedUni Wien als Forschungsinstitution weiter gefördert werden.
Allein 600 Millionen Euro sollen während der nächsten neun Jahre in die Anschaffung medizinischer Geräte fließen. Zudem wird eine „kontinuierliche Erhöhung des Personals“ versprochen. Der Bund zahlt dabei die gesamte ärztliche Belegschaft, die künftig auf 1.600 Köpfe anwachsen soll. Alles, was sonst noch an Personal zum Spitalsbetrieb nötig ist – 3.600 Pflegekräfte und 2.000 weitere Angestelle – , finanziert die Stadt.
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