So, 22. Juli 2018

'GRAIL'-Sonden zeigen:

05.12.2012 18:00

Mondkruste ist von Magma-Kanälen durchzogen

Die Mondkruste ist bis zu 43 Kilometer dick und von tiefen, unsichtbaren Magma-Kanälen durchzogen. Das zeigen jetzt Messungen der NASA-Mondmission "GRAIL". Die insgesamt mindestens 5.300 Kilometer langen, erstarrten Einschlüsse sind vermutlich entstanden, als der junge Mond sich vor über vier Milliarden Jahren ausgedehnt hat.

Die mindestens 22 schnurgeraden unterirdischen Kanäle, die mit erstarrter Magma gefüllt sind, haben eine größere Dichte als der umliegende Mondboden und sorgen damit für eine lokal höhere Schwerkraft, wie nun Messdaten der "GRAIL"-Sonden zeigen. Vermutlich seien die Einschlüsse über vier Milliarden Jahre alt und erlaubten erstmals einen Blick in diese frühe Phase der Mondentwicklung, schreiben Forscher um Jeffrey Andrews-Hanna von Colorados Hochschule für Bergbau in Golden (USA) jetzt im Fachblatt "Science".

Die kilometertiefen Formationen sind laut Angaben der Forscher der erste Beleg für die Theorie, dass der Radius des jungen Mondes sich zunächst um 0,6 bis 4,9 Kilometer thermisch ausgedehnt habe, bevor er sich später moderat zusammenzog. Diese Spuren der Entwicklung des jungen Mondes wurden später von ungezählten kosmischen Einschlägen von der Oberfläche gewischt, daher war diese Phase bislang der Beobachtung nicht zugänglich.

Kruste des Mondes poröser als bislang gedacht
Die Mondkruste selbst ist deutlich weniger massiv als gedacht, wie die "GRAIL"-Daten ebenfalls zeigen. Demnach wiegt die obere Mondkruste rund 2,5 Tonnen pro Kubikmeter, das sind 300 bis 400 Kilogramm weniger als bis dato angenommen.

Vermutlich ist die Kruste des Erdtrabanten mit insgesamt zwölf Prozent poröser als gedacht, schreiben Forscher um Mark Wieczorek von der Pariser Sorbonne in "Science". Den Messungen zufolge ist die Mondkruste 34 bis 43 Kilometer dick. Das entspricht in etwa der Dicke der kontinentalen Erdkruste.

Sonden kreisen seit Jänner 2012 um den Mond
"GRAIL" (Gravity Recovery and Interior Laboratory) besteht aus zwei Sonden, die seit Anfang Jänner 2012 den Erdtrabanten umkreisen. Die Zwillingssonden messen Schwankungen im Abstand zwischen ihnen (Bild 2), die durch die leicht unterschiedliche Schwerkraft der überflogenen Mondregionen ausgelöst werden.

Auf diese Weise lassen sich unterschiedliche Oberflächenmerkmale wie zum Beispiel Krater oder Berge ebenso sichtbar machen wie Masse-Schwankungen unterhalb der Mondoberfläche. Die beiden waschmaschinengroßen Sonden sollen das Schwerefeld des Mondes hundert- bis tausendmal genauer bestimmen als bisher.

Bild 3 zeigt die aus den GRAIL-Daten berechneten Veränderungen des Schwerefelds des Mondes, die sogenannten Gradienten. Starke Veränderungen sind blau und rot dargestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.