„Mangelnde Qualität?“

Tiergetestete Therapien erreichen Menschen kaum

Wissen
13.06.2024 20:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nur fünf Prozent der Therapien, die an Tieren getestet worden sind, werden für Menschen zugelassen. Das zeigten Forscherinnen und Forscher der Universität Zürich. „Darunter könnten aber Therapien sein, die für gewisse Personen lebensnotwendig sind“, sagte Studienleiter Benjamin Ineichen.

Für die Studie untersuchte er mit seinem Team 122 bestehende Forschungsarbeiten zu 367 verschiedenen Therapien für menschliche Krankheiten (54 unterschiedliche). Demnach führte die Hälfte der Therapien, die an Versuchstieren geprüft wurden, zu klinischen Arbeiten am Menschen. Bis zu einer ersten großen Humanstudie vergingen durchschnittlich fünf Jahre, zehn Jahre bis zu einer behördlichen Genehmigung.

Große Übereinstimmung
Darüber hinaus konnte das Team zeigen, dass 86 Prozent der Therapien, die erfolgreich an Tieren getestet wurden, auch bei Menschen wirksam waren. Diese Zahl basiert aber nur auf einer Einschätzung. Ein Beispiel sind mehrere Medikamente für Multiple Sklerose (MS), eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. Darunter fällt etwa Fingolimod.

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Das klingt zwar nach sehr wenig, darunter könnten aber Therapien sein, die für gewisse Personen lebensnotwendig sind.

Studienleiter Benjamin Ineichen, Universität Zürich

Im Entwicklungsprozess herausgefallen ist hingegen die Substanz NXY-059, die Schlaganfallpatientinnen und -patienten helfen hätte sollen. Immer wieder wecken Therapien nach Tierversuchen große Hoffnung, erzielen beim Menschen schlussendlich aber nicht die gewünschte Wirkung. Nach zehn Jahren wurden 95 Prozent der Therapien, die an Tieren getestet wurden, nie für Menschen zugelassen.

Falsch positive Ergebnisse
„Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine mangelnde Qualität gewisser Tierstudien zu falsch positiven Resultaten führte, dass die Daten also einen Therapieeffekt suggerieren, obwohl in Wirklichkeit kein solcher vorliegt“, sagte Ineichen. „Das führt dazu, dass diese Medikamente später in der sehr rigorosen Testung am Menschen herausfallen.“ 

Die Studie wurde am Donnerstag im Fachblatt „PLOS Biology“ veröffentlicht.

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