Die Jagd ist nicht gerade das geläufigste Hobby in linken Kreisen, doch auch hier tummeln sich passionierte Waidmänner. SPÖ-Chef und Spitzenkandidat Andreas Babler ist Mitpächter eines kleinen Reviers in Niederösterreich im Bezirk Mödling. Die „Krone“ hat ihn dazu befragt und sich umgehört, welche Politiker sonst einen Jagdschein haben.
„Ich habe gleich als junger Bub, im Alter von 16 Jahren, den Jagdkurs gemacht“, so Babler zur „Krone“. Sein Vater, Großvater und Onkel waren in ihrer Freizeit auch Jäger oder Feldschutzorgane. Daher ging der junge Babler bereits als Kind gerne ins Grüne. „Ich war immer beim Füttern des Wildes und bei allen Revierarbeiten dabei“, so der Politiker, der den Schutz der Vielfalt der Wildarten, den Erhalt von Lebensräumen sowie den Artenschutz als prägend für seinen Zugang sieht. Als sechs- bis siebenjähriges Kind wollte er sogar Förster werden.
Seit 20 Jahren Mitpächter bei Genossenschaftsjagd
Die Leidenschaft der Jagd begleitete ihn dann auch über sein weiteres Leben hinweg. Doch der SPÖ-Chef, der sonst gerne auf der sprichwörtlichen Jagd nach Reichen ist, betont, dass er nicht zu den vermögenden Leuten gehöre, die ausreichend Grund für eine Eigenjagd besitzen. „Seit 20 Jahren bin ich Mitpächter bei einer kleinen Genossenschaftsjagd. Manchmal fahre ich zu einem Freund in sein kleines Jagdrevier.“ Das Revier sei ein klassisches Niederwildrevier (zum Beispiel Fasan, Hase, Rehwild).
Babler kann mit „elitären Machtnetzwerken“ nichts anfangen
Doch wie passt das klischeehafte Bild des bürgerlichen Jägers in Großrevieren, der auf möglichst prestigeträchtige Trophäen aus ist, zum Vertreter einer sozialdemokratischen Arbeiterpartei? Das wollte die „Krone“ wissen. Babler meint dazu: „Natürlich gibt es die bürgerlich und elitär geprägte Jagd der Wohlhabenden mit ihren Riesenrevieren, ihren teuren Jagdbeteiligungen und ihrem trophäenorientierten Jagdansatz. Ein solches Verständnis ist mir aber fremd und damit habe ich nichts zu tun.“ Er nutze die Jagd auch nicht als männerdominiertes Machtnetzwerk für gegenseitige Gefallen und Gefälligkeiten, so Babler. Zudem setze er sich stark gegen jede Art der Gatterjagd ein.
Generell sieht der gebürtige Mödlinger „keinen Widerspruch zwischen sozialdemokratischer Politik und einer jagdlichen und wildtierrespektierenden Brauchtumspflege“. Andreas Babler hat zudem einen Jagdhund, konkret eine Magyar-Vizsla-Hündin, die auf den Namen „Ika“ hört. Er gilt als sehr guter Hundeführer. Zur Jagd kommt er, wie er sagt „viel zu selten“, zuletzt ging er im Sommer 2023 auf die Pirsch. Zur heiß diskutierten Frage des Umgangs mit dem Wolf räumt er ein, „dass das vermehrte Auftreten von Wölfen in Österreich in manchen Regionen zu Nutzungskonflikten führt, insbesondere der Alm- und Weidewirtschaft oder Jagd und Tourismus.“ Er fordert eine wissenschaftliche Studie, denn die Begebenheiten in den Bundesländern seien sehr unterschiedlich. Die Finanzierung von Maßnahmen wie etwa dem Herdenschutz müsse sichergestellt sein.
Viele Jäger in der Politik vertreten
Neben Babler ist auch der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer passionierter Jäger aus dem Lager der Sozialdemokratie, ebenso Franz Schnabl, der bei der vergangenen Niederösterreich-Wahl für die Roten antrat. Auch die ehemaligen Minister Hannes Androsch und Rudolf Streicher sind Jäger.
Deutlich mehr Vertreter lassen sich aber in konservativen und freiheitlichen Kreisen finden. So ist z. B. Ex-Finanzminister Josef Pröll Landesjägermeister von Niederösterreich. Der derzeitige Bundeskanzler Karl Nehammer hat ebenso einen Jagdschein wie seine Gattin Katharina. Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig geht auf die Jagd und betont als zuständiger Minister die Hege und Pflege als wichtigen Bestandteil. Unter den schwarzen Nationalratsabgeordneten ist etwa Johannes Schmuckenschlager passionierter Waidmann, genauso wie der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer und der niederösterreichische Landesrat Stephan Pernkopf. Ebenso hat EU-Parlamentarier Lukas Mandl die Prüfung absolviert.
Im Lager der Freiheitlichen sind unter anderem der FPÖ-Kärnten-Chef Erwin Angerer und der oberösterreichische Vize-Landeschef Manfred Haimbuchner Jäger, zudem der niederösterreichische Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer (FPÖ) und der Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp. Bei den NEOS ist zum Beispiel Generalsekretär Douglas Hoyos zu nennen, seine Adelsfamilie besitzt mehrere Tausend Hektar Flächen im Waldviertel.
Drei Jägerinnen im ÖVP-Regierungsteam
Die Jagd ist aber nicht ausschließlich männlich: Aus der derzeitigen Bundesregierung sind z. B. Staatssekretärin Claudia Plakolm, Verteidigungsministerin Klaudia Tanner und Verfassungsministerin Karoline Edtstadler Jägerinnen, von den Freiheitlichen zählt sich die Salzburger Vizelandeshauptfrau Marlene Svazek dazu. Auch Ex-ÖVP-Ministerin Elisabeth Köstinger ist dem Waidwerk verbunden.
In der Wirtschaft gilt die Jagd zudem als wichtiges Netzwerk. Unter Unternehmern sind viele gerne auf der Pirsch. WKO-Chef Harald Mahrer ist selbst Jäger und Fischer, auch Topmanager wie Mayr-Melnhof-Karton-Chef Peter Oswald oder Verbund-General Michael Strugl sind gerne im Wald unterwegs.
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