Traurig! Es gibt wohl kaum Linzer über 40 Jahre, die nicht die eine oder andere Anekdote aus ihrer Kindheit im Bezug auf das Spielwarengeschäft an der Landstraße 31 erzählen können. Doch nun hat es sich ausgespielt – das Spielwarengeschäft Beyerl schließt mit Ende September nach 124 (!) Jahren seine Pforten.
Chefin Maria Pichl erklärt die Gründe: „Aktuell sind wir für die Leute leider oft nur noch das ,Schaufenster‘ des Onlinehandels. Bei uns schauen sich viele die Spielsachen an, um sie danach im Internet zu bestellen. Außerdem sparen die Menschen aufgrund der Teuerungen auch beim Spielzeug, was ich vollstens verstehen kann. Mein Vater hat einst gesagt: Wenn man nur mehr drauflegen muss, dann ist es gescheiter, zuzusperren. Und das mache ich ab Oktober.“
„Herr Beyerl“ alias Franz Rieger
Der Papa von Maria Pichl war ein Linzer Original. Er begann als Filialleiter bei Palmers, führte dann zwei Greißlereien, ehe er sich seiner ganz großen Leidenschaft widmete. 1974 übernahm Franz Rieger – den in den Folgejahren eigentlich jeder nur als „Herr Beyerl“ kannte – das Spielwarengeschäft auf der Landstraße, das davor ab 1900 erst am Hauptplatz, später dann in der Bischofstraße beheimatet war. Er lebte für sein Geschäft und dafür, seinen kleinen Kunden ein Strahlen ins Gesicht zu zaubern. Schon weit über 70 Jahre alt, radelte der rüstige Senior noch täglich auf seinem Waffenradl ins Geschäft. Immer in der selben Montur, für die er bekannt war: seine weiße Latzhose. Im April 2020 starb er mit fast 90, vergessen ist er bis heute nicht.
„Ich habe als Sechsjährige schon stolz mitbedient“
Tochter Maria hatte Papas „Lebenswerk“ in den Neunzigern übernommen, wenngleich sie schon viel früher im Geschäft stand. „Mit sechs Jahren habe ich mitgeholfen und mich gefreut, wenn ich einen Schilling Trinkgeld bekommen habe“, lacht die 58-Jährige. Ab Juli startet der Abverkauf, Ende September schließt das Geschäft.
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