Grazer Bruseum

Schwierige Zeit des Übergangs zu einer neuen Form

Steiermark
06.05.2024 20:00

Man kennt Günter Brus als Aktionisten und man kennt ihn als Bild-Dichter. Die schwierige Zeit dazwischen ist nun Thema der Ausstellung „Ein irrer Wisch“ im Grazer Bruseum (ab 18 Jahren). Eröffnet wird sie am Mittwoch (8. Mai), tags zuvor wartet um 18.30 Uhr eine hochkarätige Gedenkveranstaltung.

Mit dem Buch „Irrwisch“ tritt Günter Brus Anfang der 1970er-Jahre in eine neue Werkphase ein. Doch im Grazer Bruseum zeigt Kurator Roman Grabner nicht die Zeichnungen aus dem Buch, sondern Blätter, die zu eben dieser Zeit entstanden sind und den schwierigen Weg des Übergangs dokumentieren.

Sexuelle Darstellungen als gezielte Provokation
Es sind sehr explizite Zeichnungen von Folterszenen und sexuelle Darstellungen, die Brus ganz gezielt zur Provokation eingesetzt hat. Es ist seine Art der Abrechnung mit dem Faschismus, der Bigotterie und der Staatsgewalt, die ihn verurteilt und zum Exil gezwungen hat. Und es ist seine Art, sich die vielen damit einhergehenden Verletzungen von der Seele zu zeichnen.

Bei einer Ausstellung 1971 in der Kölner Galerie von Michael Werner verkaufen sich gerade diese Zeichnungen wie die warmen Semmeln und finanzieren der Familie Brus damit einen Urlaub in Spanien. Dort entwickelt er in seinen neuen Zeichnungen für die Serie „Der Balkon Europas“ eine neue Formensprache, die allerdings bei seinem Galeristen nicht gut ankommt (zu wenige explizite Sex-Darstellungen). Aus Ärger darüber beginnt Brus Texte zu diesen Bildern zu verfassen und sie zusammenzuspannen – die Geburtsstunde der Bild-Dichtungen.

Auch heute – 50 Jahre nach ihrer Entstehung – werden diese Zeichnungen aus der Übergangsphase wieder für so manchen Aufreger sorgen. Doch wagt man den Blick unter die Oberfläche, sieht man viele brandaktuelle Themen, die gerade in unseren Zeiten eines aufziehenden Neo-Biedermeiers wieder diskutiert werden sollten.

Gedenkveranstaltung
Eröffnet wird die (nicht jugendfreie) Ausstellung am Mittwoch (8.) um 19 Uhr. Bereits am Dienstag wartet ab 18.30 Uhr im Bruseum eine hochkarätig besetzte Gedenkveranstaltung an den im Februar verstorbenen Künstler mit Schauspieler Daniel Doujenis, dem Ensemble Schallfeld, Cantando Admont und Mélange Oriental. Auch Vizekanzler Werner Kogler, Landeshauptmann Christopher Drexler und Kulturstadtrat Günter Riegler geben sich die Ehre.

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