Steirer tötete Gattin

„Dann hat die Oma aufgehört zu schreien …“

Steiermark
06.05.2024 11:37

Von einem „außergewöhnlich brutalen Femizid“ spricht die Staatsanwältin am Montag bei einem Mordprozess in Leoben (Steiermark). Mit 40 Messerstichen - hauptsächlich in das Gesicht und den Hals – hat ein Steirer seine Ehefrau regelrecht hingerichtet. Besessen vom Wahn, dass sie ihn betrügen würde. Der Enkel des Paares musste die grausame Tat mitansehen.

Über 36 Jahre war das Paar aus dem Murtal verheiratet. Freunde beschreiben die Ehe als harmonisch. Doch vor eineinhalb Jahren begannen plötzlich Streitereien. Der 62-Jährige unterstellte seiner Gattin eine Affäre. „Ich habe ihre Streitereien gehört“, erzählt der Enkel. „Die Oma hat gesagt, dass sie das nicht mehr lange mitmacht. Und, dass er sich untersuchen lassen soll, weil das so nicht weitergehen kann.“

Unvermittelt wortlos in Hals gestochen
Vergangenen November eskalierte die Situation endgültig. Völlig unvermittelt nahm der Steirer ein Küchenmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge und stach seiner Frau, die am Tisch Zeitung las, in den Hals. Als die blutende Frau mit dem jugendlichen Enkelsohn ins Freie floh („Hilf mir, hat die Oma immer wieder geschrien, aber ich wusste nicht, was ich tun soll“, schilderte der junge Steirer), lief der Frühpensionist mit dem Messer hinterher.

„Im Hof habe ich sie wieder eingefangen und ihr mehrere Stiche versetzt“, schildert der 62-Jährige emotionslos. Der Enkelsohn musste alles mitansehen. „Die Oma kniete am Boden und der Opa stach weiter auf sie ein. Dann hat sie aufgehört zu schreien ...“

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Ich bin dahinter gekommen, dass Sie mich betrügt. Mit einem Pfleger in dem Altenheim, in dem sie gearbeitet hat. 

Der Steirer hat sich eine Affäre seiner Frau eingebildet

„Sie hat mich betrogen“
„Warum?“, will Richter Richard Gollner vom Angeklagten wissen. „Weil ich dahinter gekommen bin, dass sie mich betrügt.“ Mit einem Kollegen im Altenheim, wo die 57-Jährige gearbeitet hat. „Dort gibt es ein Zimmer, das immer frei ist“, ist der Angeklagte überzeugt.

Objektive Beweise für einen Betrug gibt es nicht. „Haben Sie ihre Frau jemals mit dem Pfleger gemeinsam gesehen?“, fragt Staatsanwältin Anika Maierhofer. „Nein, gemeinsam nie.“ – „Glauben Sie auch heute noch, dass ihre Frau fremdgegangen ist“, will der Richter wissen. „Ja“, ist der Steirer überzeugt.

„Speiseröhre fast vollständig durchtrennt“
Ein schockierendes Bild der unfassbaren Brutalität der Tat zeichnet dann noch Gerichtsmedizinerin Isabella Klasinc: „Es waren 40 Stich- und Schnittverletzungen – betont im Gesicht, Kopf und Halsbereich. Die Speiseröhre des Opfers wurde fast vollständig durchtrennt und einer der Augapfel schwer verletzt.“

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Der Sachverständige hat nachvollziehbar und schlüssig erklärt, dass von Ihnen eine erhebliche Gefahr ausgeht und dass Sie weitere Morde begehen könnten.

Der vorsitzende Richter Richard Gollner in der Urteilsbegründung

Steirer leidet an schwerer wahnhafter Störung
Gutachter Manfred Walzl erklärt den Geschworenen dann, dass der Steirer an einer wahnhaften Störung leidet, die ihn sehr gefährlich macht. Da der Wahn tatbestimmend und der Mann somit zurechnungsunfähig war, empfiehlt er eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum. Die Geschworenen folgten dieser Empfehlung einstimmig.

„Der Sachverständige hat nachvollziehbar und schlüssig erklärt, dass von Ihnen eine erhebliche Gefahr ausgeht und dass Sie weitere Morde begehen könnten“, schloss Richter Richard Gollner. Der 62-Jährige war mit der Entscheidung einverstanden. Weil die Staatsanwältin keine Erklärung abgab, ist das Urteil allerdings noch nicht rechtskräftig.

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