Fr, 22. Juni 2018

Pendler bedroht

04.10.2012 17:14

Missmut, Chaos und Streit rund ums Parkpickerl in Wien

Selten zuvor hat ein Thema derart polarisiert: Seit Anfang der Woche gelten in Wien die neuen Kurzparkzonen - und das Chaos ist perfekt. Während sich Bewohner in den neuen Pickerlbezirken ins Fäustchen lachen, weil sie sich im Parkplatz-Eldorado wiederfinden, herrscht in angrenzenden Gebieten Krieg und Streit um die begehrten Stellplätze.

Wie eine Demarkationslinie spaltet die Pickerl-Grenze Wien in zwei Welten: Westlich der Maroltinger- und Sandleitengasse in Ottakring sowie der Güpferlingstraße in Hernals tobt der Parkplatz-Krieg. "Wildwest-Szenen" auch in Währing, Penzing und sogar in Favoriten an der Randzone zum 12. Bezirk. Lenker ohne Wiener Kennzeichen werden eingeschüchtert. Auf Flugblättern wird Niederösterreichern und Burgenländern sogar mit dem "Aufschlitzen der Reifen" gedroht. Beschimpfungen und eindeutige Fingergesten stehen an der Tagesordnung.

Schuldzuweisungen im Bezirk Währing
Schauplatzwechsel in die neuen Kurzparkzonen-Bezirke: zufriedene Menschen, unaufgeregte Autofahrer und Parklücken, in die Sattelschlepper passen. Schuldzuweisungen lassen da allerdings nicht lange auf sich warten. "Karl Homole trägt die Hauptschuld an dem Chaos", wird dem Währinger Bezirkschef von seinem Stellvertreter Josef Eichinger vorgeworfen.

Homole ließ in Währing die Bevölkerung über die Pickerl-Einführung entscheiden - zwei Drittel stimmten dagegen. Eichinger aber hätte sich einen "demokratiepolitisch korrekten Vorgang" gewünscht: das Bezirksparlament entscheiden lassen, nicht die Bevölkerung. Homole fordert die "sofortige Rücknahme der Parkpickerlausweitung" - ein Bezirkschef-Pendant in Ottakring das Gegenteil. Franz Prokop will die Kurzparkzone im 16. Bezirk gleich noch weiter ausdehnen.

"Homole hat sich aus der Verantwortung gestohlen", so Vize-Bürgermeisterin Maria Vassilakou. Aber er könne sich jederzeit melden, wenn er sich doch für die Zonen-Ausweitung entscheide. "Es geht nicht um Gesichtsverlust", so Vassilakou.

"Pendler werden mit Alibi-Aktionen hinters Licht geführt"
Unter den Leidtragenden sind auch Pendler aus Niederösterreich und dem Burgenland. "Die Pendler werden mit Alibi-Aktionen hinters Licht geführt", meint SP-Sprecher Gerhard Razborcan. Verkehrslandesrat Karl Wilfing kontert: "Wir verhandeln. Der Wille zu einer Lösung ist da."

Der burgenländische Pendlerklub setzt indes auf Protest. Am 7. November wird in Wien demonstriert. Für Michael Häupl ist die Pickerleinführung zu kurz, um sie "seriös beurteilen zu können".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.