Pendler bedroht

Missmut, Chaos und Streit rund ums Parkpickerl in Wien

Österreich
04.10.2012 17:14
Selten zuvor hat ein Thema derart polarisiert: Seit Anfang der Woche gelten in Wien die neuen Kurzparkzonen - und das Chaos ist perfekt. Während sich Bewohner in den neuen Pickerlbezirken ins Fäustchen lachen, weil sie sich im Parkplatz-Eldorado wiederfinden, herrscht in angrenzenden Gebieten Krieg und Streit um die begehrten Stellplätze.

Wie eine Demarkationslinie spaltet die Pickerl-Grenze Wien in zwei Welten: Westlich der Maroltinger- und Sandleitengasse in Ottakring sowie der Güpferlingstraße in Hernals tobt der Parkplatz-Krieg. "Wildwest-Szenen" auch in Währing, Penzing und sogar in Favoriten an der Randzone zum 12. Bezirk. Lenker ohne Wiener Kennzeichen werden eingeschüchtert. Auf Flugblättern wird Niederösterreichern und Burgenländern sogar mit dem "Aufschlitzen der Reifen" gedroht. Beschimpfungen und eindeutige Fingergesten stehen an der Tagesordnung.

Schuldzuweisungen im Bezirk Währing
Schauplatzwechsel in die neuen Kurzparkzonen-Bezirke: zufriedene Menschen, unaufgeregte Autofahrer und Parklücken, in die Sattelschlepper passen. Schuldzuweisungen lassen da allerdings nicht lange auf sich warten. "Karl Homole trägt die Hauptschuld an dem Chaos", wird dem Währinger Bezirkschef von seinem Stellvertreter Josef Eichinger vorgeworfen. 

Homole ließ in Währing die Bevölkerung über die Pickerl-Einführung entscheiden - zwei Drittel stimmten dagegen. Eichinger aber hätte sich einen "demokratiepolitisch korrekten Vorgang" gewünscht: das Bezirksparlament entscheiden lassen, nicht die Bevölkerung. Homole fordert die "sofortige Rücknahme der Parkpickerlausweitung" - ein Bezirkschef-Pendant in Ottakring das Gegenteil. Franz Prokop will die Kurzparkzone im 16. Bezirk gleich noch weiter ausdehnen. 

"Homole hat sich aus der Verantwortung gestohlen", so Vize-Bürgermeisterin Maria Vassilakou. Aber er könne sich jederzeit melden, wenn er sich doch für die Zonen-Ausweitung entscheide. "Es geht nicht um Gesichtsverlust", so Vassilakou.

"Pendler werden mit Alibi-Aktionen hinters Licht geführt"
Unter den Leidtragenden sind auch Pendler aus Niederösterreich und dem Burgenland. "Die Pendler werden mit Alibi-Aktionen hinters Licht geführt", meint SP-Sprecher Gerhard Razborcan. Verkehrslandesrat Karl Wilfing kontert: "Wir verhandeln. Der Wille zu einer Lösung ist da." 

Der burgenländische Pendlerklub setzt indes auf Protest. Am 7. November wird in Wien demonstriert. Für Michael Häupl ist die Pickerleinführung zu kurz, um sie "seriös beurteilen zu können".

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Österreich
04.10.2012 17:14
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung