Wie eine Demarkationslinie spaltet die Pickerl-Grenze Wien in zwei Welten: Westlich der Maroltinger- und Sandleitengasse in Ottakring sowie der Güpferlingstraße in Hernals tobt der Parkplatz-Krieg. "Wildwest-Szenen" auch in Währing, Penzing und sogar in Favoriten an der Randzone zum 12. Bezirk. Lenker ohne Wiener Kennzeichen werden eingeschüchtert. Auf Flugblättern wird Niederösterreichern und Burgenländern sogar mit dem "Aufschlitzen der Reifen" gedroht. Beschimpfungen und eindeutige Fingergesten stehen an der Tagesordnung.
Schuldzuweisungen im Bezirk Währing
Schauplatzwechsel in die neuen Kurzparkzonen-Bezirke: zufriedene Menschen, unaufgeregte Autofahrer und Parklücken, in die Sattelschlepper passen. Schuldzuweisungen lassen da allerdings nicht lange auf sich warten. "Karl Homole trägt die Hauptschuld an dem Chaos", wird dem Währinger Bezirkschef von seinem Stellvertreter Josef Eichinger vorgeworfen.
Homole ließ in Währing die Bevölkerung über die Pickerl-Einführung entscheiden - zwei Drittel stimmten dagegen. Eichinger aber hätte sich einen "demokratiepolitisch korrekten Vorgang" gewünscht: das Bezirksparlament entscheiden lassen, nicht die Bevölkerung. Homole fordert die "sofortige Rücknahme der Parkpickerlausweitung" - ein Bezirkschef-Pendant in Ottakring das Gegenteil. Franz Prokop will die Kurzparkzone im 16. Bezirk gleich noch weiter ausdehnen.
"Homole hat sich aus der Verantwortung gestohlen", so Vize-Bürgermeisterin Maria Vassilakou. Aber er könne sich jederzeit melden, wenn er sich doch für die Zonen-Ausweitung entscheide. "Es geht nicht um Gesichtsverlust", so Vassilakou.
"Pendler werden mit Alibi-Aktionen hinters Licht geführt"
Unter den Leidtragenden sind auch Pendler aus Niederösterreich und dem Burgenland. "Die Pendler werden mit Alibi-Aktionen hinters Licht geführt", meint SP-Sprecher Gerhard Razborcan. Verkehrslandesrat Karl Wilfing kontert: "Wir verhandeln. Der Wille zu einer Lösung ist da."
Der burgenländische Pendlerklub setzt indes auf Protest. Am 7. November wird in Wien demonstriert. Für Michael Häupl ist die Pickerleinführung zu kurz, um sie "seriös beurteilen zu können".
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