Nach Pleite in der EL

Rapid am Boden: “Im Fußball gibt’s keine Gerechtigkeit”

Sport
21.09.2012 10:32
Hanebüchene Schnitzer in der Abwehr, ein ungewohnt labiler Goalie und eine schlechte Chancenverwertung - die Zutaten für den grün-weißen Gruselkick zum Europa-League-Auftakt gegen Rosenborg Trondheim waren augenscheinlich. Und dann gibt's "im Fußball auch noch keine Gerechtigkeit", wie Sturmtank Terrence Boyd jammerte. Und der fehlende Fan-Support als Grund für die Pleite? Eine Mär! Schließlich hatte Rapid zuvor aus den jüngsten sieben Partien im Happel-Stadion ganze zwei "Körner" geholt - bei vollen Rängen.

Peter Schöttel konnte einem ob seiner vermeintlich hoffnungslosen Lage leidtun. Hilflos streunte er knapp vor Mitternacht - nachdem alle Interviews erledigt waren - durchs Innere des Happel-Stadions und fand den Weg von der Pressezone in die Kabine nicht. "Jetzt bin ich schon das 20. Mal hier und weiß noch immer nicht, wie ich hier wieder raus komme", knurrte er grantig.

"Kann ich mir nicht erklären"
Ähnlich ratlos hatte sich der Rapid-Cheftrainer zuvor bei der Pressekonferenz gezeigt, als er versuchte, für die schier unglaubliche Fehlerkette vor dem Gegentor zum 0:1 eine Erklärung zu finden. "Das kann ich nicht begreifen. Ich weiß auch nicht, was da alles schiefgegangen ist", gestand Schöttel.

Fehlerkette vor dem 0:1
Tatsächlich war dem schmerzhaften Führungstreffer für die Gäste durch Elyounoussi eine seltene Verkettung von haarsträubenden Fehlern in der grün-weißen Hintermannschaft vorausgegangen: Erst verlor der schwache Gerson einen Zweikampf gegen Prica, auch Sonnleitner konnte den Rosenborg-Stürmer nicht stoppen. Via Heikkinens Oberschenkel brachte Prica den Ball zu Holm in den Strafraum, den wiederum Goalie Königshofer zu stoppen versuchte, den schon eroberten Ball aber wieder ausließ. Die Kugel gelangte zu Katzer, der einen in der Defensive an sich verpönten Querpass auf Gerson fabrizierte. Und dieser leistete sich den nächsten groben Schnitzer innerhalb von nur einer Minute. Er wollte Prica ein "Gurkerl" schieben - das ging gründlich daneben, der Ball kam zu Elyounoussi, der die "Wuchtel" über den verdutzt vor seinem Gehäuse stehenden Königshofer zum 1:0 für Rosenborg ins Tor schupfte.

"Beim ersten Tor haben wir den Ball nicht wegbekommen. Was da genau passiert ist, habe ich gar nicht so recht mitbekommen", erklärte Königshofer. Der übrigens auch beim zweiten Gegentor durch Dorsin keine gute Figur machte: "Da haben wir alle geschlafen, inklusive mir. Da muss ich herauskommen, dann habe ich den Ball. Das ist ganz einfach. Es ist sehr schade. Wir haben gesehen, dass alles drinnen gewesen wäre. Normalerweise müssen wir hier als Sieger vom Platz gehen."

Ganz ähnlich fiel die Analyse von Trainer Schöttel aus. "Wir haben zwar sehr viel Kontrolle über das Spiel und viel Ballbesitz gehabt, haben aber auch viele einfache Fehler gemacht", erklärte er. "Die werden in der Europa League eben sofort bestraft."

Alar als tragische Figur
Dabei hatte Alar in der 70. Minute beim Stand von 1:2 die große Chance gehabt, Rapid wieder ins Spiel zurückzubringen. Doch beim 22-Jährigen versagten in der 70. Minute die Nerven. Er vermochte einen selbst herausgeholten Elfmeter nicht im Tor der Norweger unterzubringen. "Ich war mir sicher, habe den Elfmeter aber nicht gut geschossen. Der Torhüter war in der Ecke und hat ihn gehabt", meinte Alar nach dem Spiel.

Das Rapid seiner Meinung nach die komplette Spielzeit über dominiert hatte. "Wir waren über 90 Minuten die klar bessere Mannschaft. Es waren blöde Tore, die wir bekommen haben, da waren wir selber schuld. Vorne müssen wir aber normalerweise noch ein bis zwei Tore mehr machen, dann schaut die Sache anders aus", trauerte er den vielen vergebenen Chancen nach.

Boyd findet's ungerecht
Etwa jener von Boyd in der 85. Minute, der aus der Drehung abzog, den Ball aber weit über das Tor jagte. "Es gibt im Fußball keine Gerechtigkeit", raunzte der US-Boy nach dem Spiel und tat dies Haltung prompt auf seinem Facebook-Account kund.

Prater bleibt Ort des Schreckens
Damit bleibt der Prater für Rapid ein wahrer Ort des Schreckens, nicht nur wegen des Geisterspiels am Donnerstag. In den jüngsten acht Spielen, die Rapid im Happel-Stadion bestritt, gingen die Hütteldorfer gleich sechsmal als Verlierer vom Platz: 0:3 gegen die Austria in der Meisterschaft, 1:2 gegen Rosenborg Trondheim, 1:3 gegen den FC Porto, 1:2 gegen CSKA Sofia, 1:2 gegen Besiktas und 0:3 gegen Hapoel Tel Aviv (alles in der Europa League). Lediglich gegen Celtic Glasgow (3:3 in der Europa League) und gegen die Wiener Austria (0:0 in der Meisterschaft) konnte man "anschreiben". In fünf dieser Spiele war das Stadion übrigens ausverkauft, die Leistung meist aber trotzdem gespenstisch.

Übrigens: Schöttel fand am Ende dank der Wegbeschreibung einer charmanten Security-Dame doch noch in den Kabinentrakt. Wenigstens ein Erfolgserlebnis an diesem ansonsten eher trostlosen grün-weißen Fußballabend.

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