Geimpfte Wolken

War Wettermanipulation schuld an Rekordflut?

Ausland
18.04.2024 11:14

Gigantische Regenmengen setzten am Dienstag Dubai komplett unter Wasser – aufgrund des enormen Ausmaßes der Sturzfluten regen sich nun auch Verschwörungstheorien rund um das Ereignis. Ganz vorne dabei: Mittels Cloudseeding sollen die Emiratis selbst dafür verantwortlich sein. Doch handelt es sich dabei überhaupt um ein realistisches Szenario?

Tatsächlich ist das sogenannte Cloudseeding in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Thema: Mit der wettermodifizierenden Technik versucht die Regierung der anhaltenden Wasserknappheit des Landes entgegenzuwirken. Durch die künstliche Beeinflussung von Wolken soll die Niederschlagsmenge erhöht werden, um die Wasserreserven zu stärken.

Kondensationskeime sollen Wolken abregnen lassen
Beim Cloudseeding werden mit Flugzeugen Substanzen wie Silberjodid oder Salz in die Wolken gesprüht. Diese Partikel dienen als Kondensationskeime, um Wassertropfen zu bilden, die dann zu Regentropfen zusammenwachsen. Es handelt sich dabei keineswegs um eine neue Technologie – schon seit den 1940er-Jahren formulierten US-Forscher erste Theorien dazu und führten auch entsprechende Tests damit durch.

Straßen wurden zu Bächen – die Abwassersysteme in den Emiraten waren komplett überlastet. (Bild: AP)
Straßen wurden zu Bächen – die Abwassersysteme in den Emiraten waren komplett überlastet.

Kritiker hegen jedoch enorme Zweifel an der Effizienz der Maßnahme. Neben dem Aspekt, dass mögliche langfristige Auswirkungen auf das Ökosystem und die Umwelt nur schwer abzuschätzen sind, hegen gleich mehrere Studien und Analysen auch Zweifel an dem Kosten-Nutzen-Verhältnis der Methode. Die enormen Kosten stehen dabei meist einem eher schwachen Regen Ergebnis gegenüber.

Dubai will Wolken nicht geimpft haben
Nichtsdestotrotz war besonders in den sozialen Netzwerken war die Ursache der Sturzflut für manche schnell gefunden. Das Gerücht, offizielle Stellen in Dubai hätten sich die Katastrophe mit der Methode selbst eingebrockt, hält sich hartnäckig.

In den Emiraten will man davon nichts wissen: Das National Center of Meteorology (NCM) betonte gegenüber „CNBC“ etwa, dass vor dem Starkregenereignis keine entsprechenden Einsätze durchgeführt worden seien – auch die Lokalregierung streitet einen Einsatz vehement ab.

Regenmenge „kann NIEMALS durch Cloudseeding entstehen“
Ähnlich sehen das führende Meteorologen. „Das ist frei erfundener und dummer Schwachsinn“, kommentiert etwa Jörg Kachelmann, dass eine Wettermanipulation für das Ereignis verantwortlich sein soll.

Etwas mehr führt das der ORF-Meteorologe Marcus Wadsak aus: „So eine Regenmenge kann NIEMALS durch Cloudseeding entstehen“, bekräftigte er auf der Plattform X – es sei schlicht physikalisch nicht möglich. Meldungen, die etwas Gegenteiliges suggerieren, seien „Unsinn, Fake, Verschwörung oder alle drei“, zeigte er kein Verständnis dafür.

„Es handelt sich ganz sicher nicht um Cloudseeding“, erklärte auch der private Meteorologe Ryan Maue und ehemals leitender Wissenschaftler bei der U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration gegenüber der Nachrichtenagentur AP. „Wenn das mit Cloudseeding geschehen würde, gäbe es ständig Wasser. Man kann keinen Regen aus dünner Luft erzeugen und so 15 cm Wasser erhalten. Das ist wie ein Perpetuum Mobile.“

Tatsächliche Erklärung: Nur indirekt menschengemacht
Tatsächlich verlaufen die Hinweise auf einen menschlichen Eingriff im Sand – wenn auch nicht ganz: Die gewaltigen Regenmengen waren bereits im Vorfeld so vorhergesagt, es hat also gar keine Wolken-impfenden Flugzeuge dafür gebraucht. Verantwortlich für ein solches Extremereignis ist vielmehr der menschengemachte Klimawandel.

„Wenn wir über starke Regenfälle sprechen, müssen wir auch über den Klimawandel sprechen. Die Fokussierung auf Cloudseeding ist irreführend“, stellte die Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College of London gegenüber der AP klar. „Mit der Erwärmung des Klimas werden die Niederschläge auf der ganzen Welt viel stärker, weil eine wärmere Atmosphäre mehr Feuchtigkeit speichern kann.“

Hochwasser im Wüstenstaat
Die Folgen des Unwetters sind jedenfalls enorm. Grundsätzlich regnet es im Wüstenstaat eher selten, dafür dann meist sehr stark. Binnen 24 Stunden kam nun jedoch die Regenmenge von normalerweise zwei Jahren vom Himmel, es handelt sich dabei um die schwersten Niederschläge seit Beginn der Aufzeichnungen, die Staatsagentur WAM sprach von einem „historischen Wetterereignis“.

Schulen, Regierungseinrichtungen und Unternehmen wurden aufgefordert, von zu Hause aus zu lernen und zu arbeiten, der Flughafen, der als wichtiges globales Drehkreuz gilt, riet dazu „nur, wenn unbedingt notwendig“ anzureisen. Das Zentrum für Meteorologie rief dazu auf, überschwemmte Gegenden zu meiden.

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