Zwei Morde in Bosnien?

NÖ: Filmreifer Ausbruchsplan mit Seil scheiterte

Gericht
12.03.2024 14:46

Ein 18-Jähriger wurde im August vom Ex seiner Mutter aufgefordert, ihm beim Ausbruch aus der Justizanstalt St. Pölten zu helfen. Der Tatplan scheiterte nur knapp. Der Bursche will nicht gewusst haben, warum der 38-Jährige einsaß. Die Richterin im Wiener Landl: „Sie hätten da beinahe jemanden, dem zweifacher Mord vorgeworfen wird, zur Flucht verholfen.“  

Paragraf 300 wird nicht oft verhandelt im Wiener Landl. Er lautet „Befreiung von Gefangenen“ und ist mit bis zu zwei Jahren Haft bedroht. Am Dienstag war ein 18-Jähriger in Saal 16 unter anderem dafür angeklagt. Er wollte einen 38-jährigen Bosnier, den Ex seiner Mutter, aus der Justizanstalt St. Pölten befreien. Glücklicherweise blieb es beim Versuch. Denn der ungewöhnliche Tatplan scheiterte in letzter Sekunde.

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Mein Mandant warf ein Seil über die Gefängnismauer, das an seinem Auto angebunden war. Dann ist er losgefahren.

Der Verteidiger des 18-Jährigen, Noah McElheney.

„Mein Mandant warf ein Seil über die Gefängnismauer, das an seinem Auto angebunden war. Dann ist er losgefahren“, erläutert die Staatsanwältin. „Herr B. schaffte es tatsächlich auf die Mauer, doch dann riss das Seil.“ Am Steuer saß der 18-Jährige, der lediglich einen Mopedführerschein besitzt. 

„Ich war dumm und naiv“
Zu dem Ausbruchsversuch kam es im August 2023. „Er hat mich aus dem Gefängnis heraus angerufen. Und mir vorgeschlagen, diese Nummer zu machen. Ich war dumm und naiv“, gesteht der 18-Jährige im Prozess. „Ich habe gehofft, dass Geld dabei für mich rausschaut.“

Jetzt lässt Richterin Alexandra Skrdla die Bombe platzen. „Wissen Sie, warum Herr B. in St. Pölten im Gefängnis saß?“ Der junge Angeklagte zuckt mit den Schultern. „Er soll nach Bosnien ausgeliefert werden – er wird beschuldigt des zweifachen Mordes!“, sagt Frau Rat. „Sie hätten da beinahe jemanden, dem ein Doppelmord vorgeworfen wird, zur Flucht verholfen.“

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Er hat mich angerufen und mir vorgeschlagen, diese Nummer zu machen. Ich war dumm und naiv.

Der Fluchthelfer im Prozess im Wiener Landl.

„Mein Mandant ist geständig. Zu dem ungewöhnlichen Fluchtbeihilfeversuch aus dem Gefängnis und zu dem Betrug“, sagt Anwalt Noah McElheney, der Verteidiger des 18-Jährigen im Prozess im Wiener Landesgericht. Dort ist der Fluchthelfer gemeinsam mit dem Häftling, den er befreien wollte, angeklagt. Und mit vier weiteren Burschen. Es geht um mehrere gewerbsmäßige Betrugsdelikte mit luxuriösen Autos.

Geleaste Luxusautos weiterverkauft
Auch hier machten der 38-Jährige und sein Ex-Stiefsohn gemeinsame Sache. Herr B. gilt dabei als mutmaßlicher Drahtzieher. Mithilfe der mitangeklagten jungen Wiener leaste der 38-Jährige hochpreisige Autos. Sobald die Burschen die Kreditverträge, für die sie gefälschte Lohnzettel vorlegten, unterschrieben hatten, soll der Bosnier die sündteuren BMWs und Audis einfach weiterverkauft haben. Ungeachtet dessen, dass diese eigentlich der Bank gehörten. 

Der 38-jährige mutmaßliche Doppelmörder ist zu den Vorwürfen nicht geständig. Mittlerweile wartet er in der gut gesicherten Justizanstalt Stein auf seine Auslieferung nach Bosnien. Der Prozess gegen den Hauptangeklagten wurde auf Mai vertagt. Sein Helfer bekam 15 Monate, fünf davon fest.

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