Vor zehn Jahren war sie eine von sechs „Letzten Zeugen“ eines viel beachteten gleichnamigen Zeitzeugenprojekts im Burgtheater. Heute ist die 94-jährige Lucia Heilman tatsächlich die letzte dieser Zeugen.
Mit 9 Jahren wurde sie von den Nazis wegen ihrer jüdischen Herkunft der Schule verwiesen. Sie und ihre Mutter überlebten den Holocaust im Keller einer Werkstatt in Wien, in dem sie ein Freund ihres Vaters ab 1941 versteckte. Noch heute erzählt sie in Schulen von der „ununterbrochenen, Tag und Nacht bestehenden Angst. Die Angst, es wird an der Tür läuten, es wird jemand kommen und mich und meine Mutter in ein Konzentrationslager bringen.“
Der Schriftsteller Erich Hackl hielt ihre Geschichte in dem bewegenden Buch „Am Seil“ fest. Eine so wichtige Geschichte, weil sie nicht nur von der Verfolgung erzählt, sondern auch von der Zivilcourage eines Einzelnen, der sich unter Lebensgefahr gegen das Terrorregime auflehnte.
Als unermüdliche „Brückenbauerin und Mahnerin gegen Antisemitismus und Rassismus“ wurde Heilman diese Woche mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes geehrt. Eine Ehrung, die umso wichtiger ist in einer Zeit, in der der Antisemitismus wieder erstarkt. Auch mich erreichen Leserbriefe mit antisemitischem Inhalt, der mich in seiner kalten, unreflektierten Selbstverständlichkeit schaudern lässt. Wie erschütternd muss dies erst für die „letzten Zeugen“ sein, die ihre Geschichten bald nicht mehr selbst erzählen können . . .
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