Während sich die USA für ein Wahljahr rüsten, gibt die Ausstellung „American Prospects“ von Joel Sternfeld in der Albertina ganz eigene eindringliche Aus- bzw. Einsichten auf Amerika.
Es wirkt wie eine unauffällige Szene. Drei Frauen am Straßenrand eines idyllischen Viertels. Erst der Blick auf den Bildtitel entlarvt die soziale Brisanz des Fotos. Es sind drei afroamerikanische Hausangestellte, die nach der Arbeit im weißen Reichenviertel auf den Bus warten. Es sind Szenen wie diese, mit denen Joel Sternfeld seiner Heimat Amerika einen eindringlichen Spiegel vorhielt - und die seine Fotos bis heute so besonders machen.
Einsame Roadtrips quer durch die USA
Von 1978 bis 1986 unternahm der Fotograf aus New York für die Serie „American Prospects - amerikanische Aussichten“ immer wieder ausgedehnte Reisen quer durch die USA. „Einsame Roadtrips, manche davon dauerten bis zu einem Jahr“, erzählt Walter Moser, Chefkurator der Fotosammlung in der Albertina.
Mit dabei hatte er eine sperrige Plattenkamera, die Negative waren im opulenten A4-Format - mit dem Vorteil, dass sie gestochen scharfe Kontaktabzüge ermöglichten. „Allerdings waren sie sehr teuer, und daher musste er genau überlegen, was er fotografiert“, so Moser. Nur ein, zwei Fotos machte Sternfeld pro Tag, jede Aufnahme in ihrer Komposition wohlüberlegt. „Viele seiner Fotografien sind sehr an der Malerei orientiert.“
Inspiration für Kultregisseur David Lynch
Das liegt auch an einer weiteren Besonderheit Sternfelds. In einer Zeit, in der die Schwarz-Weiß-Fotografie in der Kunst dominierte und alles Bunte als Unding der Werbung und Mode abgetan wurde, tauchte Sternfeld seine Bilder dennoch in Farben. In gedeckte Töne mit starken Farbakzenten, die uns heute an David-Lynch-Filme erinnern - und tatsächlich war Sternfeld eine Inspirationsquelle für den Kultregisseur.
„Das Verhältnis Mensch und Natur war ein wichtiges Thema für ihn, die Überfremdung und Kommerzialisierung der Natur“, so Moser. Schon früh hielt er die zunehmend wirtschaftlich erschlossene und von Umweltschäden bedrohte, typisch amerikanische Landschaft fest. Und als kritischer Beobachter lichtete er die Amerikaner in all ihren Widersprüchen ab.
Oft finden sich in den detailreichen Bildern auch Skurrilitäten wie der Feuerwehrmann, der vor einem brennenden Haus seelenruhig einen Kürbis kauft. „Aber nichts davon war inszeniert“, betont Moser.
Der Traum eines Kurators
Moser konnte für diese Schau aus dem Vollen schöpfen. „Joel Sternfeld hat der Albertina eine riesige Schenkung mit 349 Arbeiten gemacht. Der Traum eines Kurators“, freut er sich. Darunter eben auch die Serie „American Prospects“, aus der nun 42 Bilder ausgewählt wurden, die noch bis 28. April ganz besondere Aus- und Einsichten in die USA von einst, aber durchaus auch von heute geben.
Alle Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.
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