Am Mittwoch saß jener Mann (38) in Innsbruck vor Gericht, der im Juni im AMS in Lienz Mitarbeiterinnen mit einem Messer bedroht und auf einen Polizisten eingestochen hatte. Erst ein Schuss konnte den Einheimischen stoppen. Laut einem psychiatrischen Gutachten leidet er unter paranoider Schizophrenie. Er wähnte sich in einem Videospiel.
Es war eine ungewöhnliche Entscheidung: Anstatt den Weg in eine Trafik zu nehmen oder die gewünschten Inhalte online zu konsumieren, suchte der Mann das AMS in Lienz auf. „Ich dachte, die haben alles über“, erklärte er am Mittwoch sichtlich verstört am Landesgericht Innsbruck.
22 Zentimeter langes Messer
Von den zwei Mitarbeiterinnen begehrte der Einheimische Filme mit „sexy Inhalten“ sowie Porno-Hefte. Als das freilich nicht gelang, bedrohte er sie mit einem 22 Zentimeter langen Messer. Auf einen alarmierten Polizisten, der Pfefferspray gegen den 38-Jährigen einsetzte und schließlich auch einen Schuss abgab, stach er sogar ein.
Angeklagter befand sich während Tat in „Matrix“
„Es war alles nicht real“, gab der Angeklagte zu Protokoll, „ich habe mich an dem Tag wie in der ,Matrix‘ oder in der ,Truman Show‘ gefühlt.“ Was am 20. Juni genau passierte, wisse er deshalb „nur mehr teilweise“. Die beiden Frauen habe er jedenfalls als „Software-Figuren“ empfunden und alles wie in einem „Videospiel“ wahrgenommen.
Psychiater attestiert paranoide Schizophrenie
Mittlerweile sei er aber „aus dem Film heraußen“, meinte der Osttiroler ohne Krankheitseinsicht. „Ich habe gestern gut geschlafen und es geht mir auch sonst wieder gut.“ Das psychiatrische Gutachten, die Richterin, die Staatsanwältin und sogar sein Verteidiger sehen dies anders. „Er leidet unbestritten unter einer paranoiden Schizophrenie“, sagte der Psychiater.
Gegen Eltern gewalttätig geworden
Nach kurzer Beratung des Schöffensenats unter Vorsitz von Richterin Helga Moser war die Sache dann aber nur allzu klar: Der Mann war und ist unzurechnungsfähig und zudem auch noch gefährlich. „Es ist gut möglich, dass er eine Straftat begeht, wenn er nicht eingewiesen wird“, sagte die Richterin und folgte damit dem psychiatrischen Gutachten. Der 38-Jährige, der zugab, gerne Alkohol und Cannabis zu konsumieren, war zudem auch schon im Vorfeld gegen die eigenen Eltern gewalttätig geworden. Er wird in eine Anstalt eingewiesen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.