Sa, 21. Juli 2018

Praxis geschlossen

18.04.2012 14:50

Arzt dealte in Wien mit Drogenersatz-Medikamenten

Im ganz großen Stil soll ein Arzt die Wiener Drogenszene mit Substitutionsmedikamenten versorgt haben. Der Allgemeinmediziner und seine Mitarbeiter dürften laut Polizei Rezepte für sogenannte psychotrope Stoffe an nicht berechtigte Drogenabhängige weitergegeben haben. Außerdem soll er mit E-Cards seiner Patienten der Wiener Gebietskrankenkasse Leistungen verrechnet haben, die er nie erbracht hat. Er wurde angezeigt.

Auf die Spur des Arztes waren die Ermittler im Dezember des Vorjahres durch einen Drogenabhängigen gekommen, der am Karlsplatz beim Verkauf von Somnubene erwischt worden war. Bei dem 27-Jährigen stellten die Drogenfahnder 80 Stück Somnubene, in einem Schließfach am Westbahnhof weitere 24 Stück Anxiolit sicher. Bei einer Hausdurchsuchung bei dem Verdächtigen entdeckten die Ermittler nicht nur weitere Drogenersatzmittel, sondern auch einen selbst gefertigten Stempel einer Arztpraxis im Westen Wiens.

Mediziner hortete Ärztemuster
Die Polizisten fanden schließlich heraus, dass mit diesem Stempel Rezepte gefälscht worden waren, um damit in Apotheken an Drogenersatzmittel zu gelangen. Diese Substanzen wurden an Kunden aus der Suchtgiftszene weiterverkauft. Die Ermittlungen ergaben auch, dass der Verdächtige selbst Patient in der Praxis mit dem betreffenden Stempel war. Die Fahnder durchsuchten kurz darauf die Ordination und fanden 2.428 Tabletten für die Drogenersatztherapie. Laut Polizei handelte es sich ausnahmslos um Ärztemuster, die nicht in den Handel gelangen hätten sollen.

Zudem wurden auch E-Cards von 51 Patienten aus der Drogenszene bei dem praktischen Arzt sichergestellt. Damit soll der Mediziner der Gebietskrankenkasse Leistungen verrechnet haben, die er nie erbrachte. Dadurch sollen 120.000 Euro Schaden entstanden sein. Dem Arzt und seinen Mitarbeitern wird vorgeworfen, Rezepte für Substitutionspräparate an dazu nicht berechtigte Abhängige verschrieben zu haben. War der Mediziner selbst nicht im Haus, dürfte das einfach seine Ordinationshilfe erledigt haben.

Verdächtiger auf freiem Fuß angezeigt
Die Wiener MA40 (Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht) hatte schon vor einigen Wochen ein Verfahren eingeleitet - der Arzt wurde aus der Liste der zur Durchführung einer Drogenersatztherapie Berechtigten gestrichen. Laut Polizei wurde der Arzt auf freiem Fuß angezeigt. Die Praxis wurde geschlossen.

Nach dem Einschreiten der Behörden fiel Ärzten in der Umgebung der ausgehobenen Praxis auf, dass zahlreiche Drogenpatienten auftauchten, die neue betreuende Mediziner für die Substitutionstherapie benötigten. Zum Teil waren den Klienten zuvor offenbar auffällig hohe Dosierungen an Beruhigungsmitteln zusätzlich zu den Opiaten verschrieben worden.

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