Aus seiner Zelle heraus soll ein verurteilter Betrüger einfach weitergemacht haben: Nicht nur Diamanten im Wert von 2,5 Millionen Euro bestellte er, auch einen luxuriösen Privatjet wollte er chartern - bezahlt hat er jedoch nichts davon. Vor Gericht in Wien spricht der selbsternannte Bitcoin-Millionär von einfachen Problemen bei den Überweisungen.
Er sei selbstständig und erfolgreich. Habe ein Firmengeflecht in London, verdiene sein Geld vorwiegend mit Bitcoin-Trading. Sein privates Vermögen: 4,5 Millionen Euro. Da fragt man sich, wie es zu der Anklage im Wiener Landesgericht kommen konnte. Dem 40-Jährigen wird vorgeworfen, versucht zu haben, bei Firmen Luxus-Käufe zu tätigen, diese aber nie bezahlt zu haben.
Genauer: Er soll versucht haben, zwei Diamanten bei einem Juwelier in Wien zu kaufen - mit einem stolzen Wert von rund 2,5 Millionen. „Er wollte Steine mit der besten Farbe und besten Reinheit“, erinnert sich die Händlerin vor Gericht als Zeugin an die Anfrage per E-Mail zurück. Sogar einen Besuch im Geschäftslokal gab es. Dann verlief der Kontakt mit dem Angeklagten im Sand. Was die 34-Jährige nämlich nicht wusste: Der Mann verbüßte gerade eine Haftstrafe im Gefängnis, für den Termin nutzte er einfach einen Freigang.
Privat-Jet für Wochenendtrip bestellt
Ähnlich lief es bei einem Charterunternehmen für Privat-Jets. Im November 2022 bestellte er dort ein Flugzeug - einen seltenen, luxuriösen, großen Jet. Für die Strecken Wien nach Luxemburg und wieder zurück. Auch zu diesem Zeitpunkt saß der 40-Jährige noch in Haft wegen eines Betrugsdelikts. Den Flug trat er nicht an, denn auch ihn bezahlte er nicht.
Ausländisches Bankkonto habe Probleme gemacht
Aber warum zahlte er nicht, wenn der Wiener doch Millionen auf der Seite hatte? Vor der Richterin beteuert er in seinem Prozess wegen versuchten schweren Betrug, er habe die Absicht gehabt, beide Unternehmen zu zahlen, aber: „Ich hab mir das ein bisschen einfacher vorgestellt, das Geld aus London zu organisieren.“ Aus dem Gefängnis heraus seien sowohl Auszahlungen aus Bitcoin-Tradings als auch hohe Überweisungen aus dem Ausland gar nicht so einfach.
Das ist im besten Fall eine Frotzelei, wie sie tagtäglich vorkommt.
Verteidiger im Wiener Landesgericht
„Das ist im besten Fall eine Frotzelei, wie sie tagtäglich vorkommt“, ist sein Verteidiger überzeugt. Denn Schaden habe keines der Unternehmen davon getragen: „Ein Kaufvertrag wäre erst dann gültig zustande gekommen, wenn die Zahlung getätigt wurde.“
Diamanten und privater Flug für Geliebte in Luxemburg
Und wofür der inhaftierte Bitcoin-Millionär die Diamanten und den Flug bräuchte? Er habe seiner Freundin eine Freude mit den Edelsteinen machen, ihr einen Besuch in Luxemburg abstatten wollen. Den Namen der Frau könne er jetzt aber nicht mehr nennen ...
Den Betrugsvorsatz streitet der Wiener vor Gericht vehement ab: „Ich habe gewusst, dass ohne Moos nichts los ist. Also, dass ich ohne Zahlung nichts bekomme.“ Für die Befragung eines weiteren Zeugen wird vertagt.
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