Bei dem Anblick blutet einem das Herz. Wahrscheinlich rund 100 Jahre durfte ein Baum auf einem Grundstück in Wien-Brigittenau wachsen. Das Entfernen dauerte „dank“ Motorsägen nur wenige Stunden. Er musste weichen, damit eine Handvoll Tiefgaragenplätze gebaut werden können. Für die es laut Anrainern nicht einmal Bedarf geben dürfte.
Nix ist es mehr mit Schatten, rauschenden Blättern und dem beruhigenden Anblick des majestätischen „Nachbarn“. Am Freitag war es so weit, die Baumfäller rückten mit Hubsteiger an. Anrainer hatten noch versucht, in letzter Minute den rund 37 Meter hohen Baum, der auf Privatgrund steht, zu erhalten. Leider ohne Erfolg. „Jetzt werden hier Garagenplätze gebaut, die kein Mensch braucht“, schildert einer von ihnen. Öffentliche Verkehrsmittel wie Straßenbahn und U-Bahn gebe es vor Tür. In der Umgebung stünden zudem Dutzende Garagenplätze leer, berichtet ein anderer.
Anrainer können Entfernung nicht nachvollziehen
Warum man die fürs Mikroklima der unmittelbaren Umgebung wichtige Pappel unbedingt fällen musste, leuchte nicht ein. „Man reizt offenbar alles aus, was man zu Geld machen kann“, ärgert sich ein weiterer Anrainer. „Wo bleibt da die Vernunft, der Umweltgedanke, die intelligente Stadtentwicklung?“ Angesichts der grassierenden Bodenversiegelung eine gute Frage. Das Gesetz sei aber eindeutig, argumentiert die Behörde, die den Vorgang bewilligt hat, gegenüber der Ombudsfrau.
Was die zuständige Behörde zu dem Fall sagt
Im Zuge des Ermittlungsverfahrens sei laut Magistratischen Bezirksamt selbstverständlich geprüft worden, ob ein im Gesetz vorgesehener Fällungsgrund gegeben ist. Bei diesem Baum habe die Baubehörde festgestellt, dass die Baumentfernung „in Zusammenhang mit einem bewilligten Bauvorhaben für den Neubau einer Wohnhausanlage mit einer Tiefgarage“ stehe und die Realisierung dieses Vorhabens ohne Fällung des Baumes nicht möglich sei.
Mit dem genannten Bescheid seien zahlreiche Ersatzpflanzungen vorgeschrieben worden. Allein für den vorliegenden Baum müssen insgesamt 29 Ersatzbäume gepflanzt werden. Ein kleiner Trost. Rechtlich mag alles in Ordnung sein. Ob es aber auch wirklich unbedingt notwendig war?
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