01.02.2012 16:13 |

Neue US-Studie

Python-Invasion bedroht Tierwelt in den Everglades

Ein im wahrsten Sinne des Wortes riesiges Problem hat die Tierwelt in den Everglades von Florida: Python, Anaconda und Co. haben sich in den letzten Jahren derart sprunghaft vermehrt, dass sie zu einer massiven Bedrohung für die kleineren, aber auch größeren Bewohner des tropischen Marschlands werden. Der Hunger der Riesenschlangen ist nämlich, ebenso wie ihre Anzahl, enorm und macht vor kaum einer Spezies halt. Forscher warnen jetzt in einer neuen Studie vor dem Aussterben zahlreicher Tierarten.

"Es gibt nicht viele bei uns heimische Säugetiere, die ein Python nicht hinunterwürgen kann", erzählt Robert N. Reed der "Washington Post". Reed ist Mitautor einer Studie, die nun in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht wurde. Darin warnen die Forscher vor einem totalen Aussterben der kleinen Säugetiere in den Everglades und weisen erstmals einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Python-Population und dem Verschwinden mancher Tierarten nach.

Bei den Luchsen konnten die Wissenschaftler einen Rückgang um 88 Prozent nachweisen, bei den Waschbären sogar um 99 Prozent. Kaninchen konnten die Biologen im Rahmen ihrer Untersuchungen im Nationalpark überhaupt nicht mehr entdecken.

Riesenschlangen oftmals ausgesetzt
Sie stehen wie auch Opossums, Füchse und Wasservögel wie Störche und Reiher auf der Speisekarte der Riesenschlangen. Der Dunkle Tigerpython bereitet den Forschern am meisten Kopfzerbrechen. Er ist nämlich eigentlich in Südostasien beheimatet und hat in den Everglades keine natürlichen Feinde.

Doch wie viele andere Riesenschlangenarten ist der Tigerpython in den USA ein beliebtes Haustier. Leider entwischen die Schlangen ihren Besitzern oft oder werden, weil sie von der süßen Baby-Schlange irgendwann zum Acht-Meter-Riesen wurden, einfach ausgesetzt. Im feuchtwarmen Klima der Everglades finden die Schlangen perfekte Lebensbedingungen vor und vermehren sich seit Jahren explosionsartig. Ein Tigerpython-Weibchen kann zwischen 50 und 100 Eier legen.

Verheerende Folgen für Ökosystem
Die Folgen auf das Ökosystem der Everglades sind mittlerweile verheerend. Kleinere Säugetiere sind in manchen Gebieten bereits komplett verschwunden. Doch auch eine Verknappung ihres Nahrungsangebots stört die Riesenschlangen nicht. Sie greifen sogar Alligatoren an und schaffen es manchmal sogar, gegen die Echsen zu gewinnen.

2005 wurde ein Tigerpython entdeckt, der einen Alligator verschlungen hatte. Allerdings endete diese Mahlzeit für die Schlange tödlich, ihr Köper platzte. 2009 entdeckten Forscher ein besonders großes Exemplar. 70 Kilogramm brachte der Tigerpython auf die Waage (zweites Bild). Im Oktober 2011 wurde ein toter Python gefunden, der eine 30 Kilogramm schwere Hirschkuh verschlungen hatte (drittes und viertes Bild).

Sogar Heizdecken werden verspeist
Kaum etwas ist vor dem Hunger der Schlangen sicher, ob Schafe, Golfbälle, Hunde, sogar eine Heizdecke wurde im Magen eines Python gefunden. Man könne die Tiere nicht aufhalten, man könne nur versuchen, ihren Zuwachs einzudämmen, so Reed. Dazu müsse man bei den Menschen ansetzen, die ihre ungeliebten Haustiere einfach in der Wildnis aussetzen.

Die Regierung unter Präsident Obama hatte bereits ein Import- und Zuchtverbot für verschiedene Riesenschlangenarten verhängt, unter dem Druck der Reptilien-Lobby aber drei Pythonarten sowie die gelbe Anakonda und die Boa Constrictor davon ausgenommen. Der Handel mit Reptilien in den USA bringt jedes Jahr etwa zwei Milliarden Umsatz für die Züchter und Händler.

Braune Nachtbaumnatter zerstörte Insel-Fauna
Welche Zerstörungen nicht-einheimische Arten anrichten können, zeige sich etwa auf der Insel Guam, so "Spiegel Online". Nachdem die braune Nachtbaumnatter im Zweiten Weltkrieg durch Truppentransporte auf die Insel im Pazifik eingeschleppt wurde, rottete sie viele der dort lebenden Vogel- und Fledermausarten aus. Diese hatten aber die Samen der einheimischen Bäume verteilt, was zur Folge hatte, dass viele Baumarten ebenfalls ausstarben. Bis heute hat sich die dortige Fauna und Flora nicht von der Schlangen-Invasion erholt. Mittlerweile versuchen die Behörden von Guam, die Nachtbaumnattern mit vergifteten Ködern zu bekämpfen.

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