Ermittlungen laufen

Randale in Wien: Deutscher Polizist als Hooligan?

Fußball
07.10.2011 19:24
Fliegende Tische, Bierkrüge als Wurfgeschoße, blutüberströmte Passanten - Hunderte deutsche "Fußballfans" sorgten vor dem Länderspiel im Juni in der Wiener Innenstadt für erschreckende Bilder. Noch erschütternder: Selbst ein Polizist soll gegen seine Kollegen aus Österreich gekämpft haben - auf Seiten der Hooligans...

Seit Mittag bereits feierten angereisten Fans in der Wiener Innenstadt Anfang Juni den erwarteten Sieg ihrer deutschen National-Elf. Bis am frühen Abend plötzlich die Stimmung kippte - und unzählige der Gäste ihr wahres Gesicht zeigten: Die Hooligans - viele waren ohne Eintrittskarte nach Österreich gekommen - nahmen die Gastgärten auseinander, attackierten Beamte der alarmierten Sondereinheit mit Tischen, Stühlen und Bierkrügen. Fazit der bürgerkriegsähnlichen Straßenschlachten: blutüberströmte Passanten, ein verletzter Polizist und mehr als 100 Festnahmen.

Während die Wiener Staatsanwaltschaft immer noch mit der Auswertung des Video-Beweis-Materials beschäftigt ist, kam nun ein brisantes Detail ans Licht: Auch gegen einen 28-jährigen Polizisten wird ermittelt. Der Deutsche soll sich auf die Seite der Hooligans gestellt, mit ihnen gekämpft und seine Kollegen aus Österreich attackiert haben. Kurios: Zu diesem Zeitpunkt war der Beamte in seiner Heimat Teil einer Einheit, die für die Registrierung gewalttätiger Fans verantwortlich ist.

Polizeisprecher. "Es liegen bislang keine Beweise vor"
Der Sprecher des Gelsenkirchener Polizeipräsidiums, Konrad Kordts, bestätigte am Freitag, dass der 28-Jährige im Juni aufgegriffen worden sei, "es liegen bislang aber keine Beweise gegen ihn vor. Er war als Fan in Wien und hielt sich im Dunstkreis der Hooligans auf. Seine Personalien wurden aufgenommen, mehr nicht. Er bestreitet, irgendwas gemacht zu haben". 

Trotzdem wurde die Staatsanwaltschaft Essen eingeschaltet und ein Disziplinarverfahren eingeleitet. "Die Staatsanwaltschaft hat bisher die Aufnahme eines Verfahrens aus Mangel an Beweisen abgelehnt. Und das Disziplinarverfahren ruht auch derzeit", erklärte Kordts. Das kann sich jedoch ändern, wenn belastendes Material aus Österreich kommen sollte.

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