Mi, 15. August 2018

Immer mehr Proteste

01.10.2011 09:17

USA: Die Wall Street als Geburtsort einer Krisen-Revolte

Die New Yorker Wall Street ist seit rund zwei Wochen Schauplatz einer Revolte. Immer mehr Menschen demonstrieren täglich gegen die Gier der Banker und die Ohnmacht der Politik. Die Polizei nahm bisher rund 100 Demonstranten fest und setzte Pfefferspray gegen Aktivisten ein. Die Hackergruppe Anonmyous unterstützt die Proteste und auch Prominente wie der Filmemacher Michael Moore beteiligen sich.

Schon zwei Wochen dauert der Protest an, und nichts deutet auf ein baldiges Ende hin - im Gegenteil. Die Menschen protestieren nach eigenen Angaben gegen die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in den USA. "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street") nennt sich die Bewegung und so lautet auch ihr Schlachtruf. Das ließ bei der Ordnungsmacht die Alarmglocken schrillen.

Einsatzkräfte griffen mit voller Härte durch
Mitte September hatten erstmals mehrere hundert Demonstranten versucht, die Wall Street symbolisch zu besetzen. Die Polizei riegelte die Straßen rund um die New Yorker Börse jedoch rigoros ab. Die Demonstranten schlugen daraufhin ein Zeltlager im Zuccotti Park, einem kleinen Park in der Nähe der Börse, auf, wo ein harter Kern der Demonstranten trotz tagelangen Regens weiter ausharrte.

Eine Woche nach Beginn der Proteste zogen die Wall-Street-Besetzer dann erneut los, ohne jedoch ihre Route vorher anzumelden. Die Einsatzkräfte griffen mit voller Härte durch, es kam zu zahlreichen Festnahmen. Die Festgenommenen hätten den Verkehr behindert, Regierungsgebäude blockiert und sich gegen ihre Festnahme zur Wehr gesetzt, rechtfertigte ein Sprecher der New Yorker Polizei das Vorgehen der Behörden.

Welle der Empörung nach Pfefferspray-Attacke
Nach Angaben der Demonstranten, die sich über die Internetseite occupywallst.org vernetzen, wurden 80 bis 100 Menschen festgenommen, die meisten von ihnen rund um den Union Square in Manhattan. Einige wurden von den Polizisten mit Absperrungsnetzen regelrecht "eingesammelt" und dann erkennbar grundlos mit Pfefferspray besprüht. Hobbyfilmer hielten die Szenen fest und machten die Aufnahmen via YouTube der ganzen Welt zugänglich. Eine Welle der Empörung war die Folge.

Auch die linke Prominenz der USA schaltete sich mittlerweile ein. Noam Chomsky schickte eine Grußbotschaft, die Schauspielerin Susan Sarandon schaute bei den Demonstranten vorbei und der Filmemacher Michael Moore ließ sich live vom Zuccotti Park interviewen (Bilder). "Was sich hinter mir abspielt, wird man überall in Amerika sehen. Wir sind die Mehrheit", triumphierte Moore. Die Wall Street habe den jungen Leuten ihre Zukunft gestohlen.

US-Medien sprechen derzeit von einer Patt-Situation zwischen den Demonstranten und der Polizei. Zudem haben sich Sympatisanten der "Occupy Wall Street"-Bewegung im Internet zusammengeschlossen und auf der Plattform "occupytogether" zu Protesten in zahlreichen Metropolen des Landes aufgerufen: Occupy Chicago, Occupy Denver, Occupy LA und Occupy San Francisco, um nur einige Gruppen zu nennen.

Menschen ohne Jobs und ungewisser Zukunft
So sind es in New York zumeist arbeitslose Jugend und College-Studenten, die nun in der Wall Street protestieren. "Das ist die überqualifizierteste Menschenmenge, die ich in meinem ganzen Leben jemals gesehen habe", sagte etwa der Student Daniel Levine gegenüber dem Nachrichtensender MSNBC. "Es sind Leute, die mit der Schule fertig sind und keine Arbeit haben."

"Wir beobachten die Anfänge der trotzigen Selbstbehauptung einer neuen Generation von Amerikanern, einer Generation, die sich nach dem Abschluss ihrer Ausbildung mit einem Land ohne Arbeitsplätzen konfrontiert sieht, aber dafür mit enormen Schulden", schrieb etwa der britische "Guardian" über die Beweggründe der Demonstranten.

Keine Welle der Gewalt wie in Großbritannien erwartet
Experten erwarten aber in den USA keine Welle der Gewalt, wie sie kürzlich über Großbritannien geschwappt war. Während den britischen Krawallen im August wurden rund 3.000 Menschen nach der Zerstörung und Plünderung in London und anderen Städten verhaftet.

Die internationale Sicherheitsexpertin Patricia DeGennaro, die auch eine Professur an der New-York-Universität inne hat, bezweifelt, dass sich die friedlichen Proteste in Gewalt verwandeln werden. Amerikaner seien zu selbstzufrieden geworden mit der Art und Weise, wie ihre Gesellschaft geführt wird, so DeGennaro.

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