Fr, 20. Juli 2018

Während 'Image-Tour'

19.09.2011 19:34

Türkei droht Zypern in Rohstoff-Streit mit Marine

Während Staatspräsident Abdullah Gül bei einer "Image-Tour" das Ansehen der Türkei in Europa aufpolieren möchte, gehen die politischen Querelen weiter: Die Suche nach Öl und Gas im Mittelmeer löste einen neuen Streit zwischen der Türkei und Zypern aus - und da die Beilegung nicht greifbar scheint, drohte die Türkei nun mit einem Marine-Einsatz.

Die Regierung in Ankara forderte das EU-Mitglied Zypern am Montag auf, die Erkundungsarbeiten mit der US-Firma Noble Energy sofort zu stoppen und drohte mit dem Einsatz der Marine. Der türkische Energieminister Taner Yildiz begründete die Forderung mit einem geplanten Abkommen über die Festsetzung der Seegrenze mit der international nicht anerkannten Regierung des türkisch-sprachigen Nord-Zypern.

Der Vertrag würde der türkischen Ölfirma TPAO die Präsenz in den Gewässern vor Nord-Zypern gestatten. Yildiz sagte, die Marine seines Landes könnte türkische Erkundungsschiffe eskortieren. Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan kündigte an, die Türkei werde die Region mit Flugzeugen, Fregatten und Torpedobooten überwachen.

Der stellvertretende Regierungssprecher Zyperns, Christos Christofides, sagte im staatlichen Fernsehen, die Drohungen seien inakzeptabel. "Die Türkei ist eine Besatzungsmacht in Zypern. Seine Unnachgiebigkeit verhindert eine faire und machbare Lösung des Zypern-Problems", sagte er. Gleichzeitig erwarte die Türkei offenbar, sie könne die souveränen Rechte Zyperns in Geiselhaft nehmen.

Beziehungen zu Israel könnten sich weiter verschlechtern
Der diplomatische Streit fällt in eine Zeit, in der sich auch die Beziehungen der Türkei zu Israel verschlechtert haben (siehe Infobox). Nun kommt allerdings dazu, dass sich an den Erkundungs- und Bohrungsarbeiten auch eine israelische Firma beteiligen wird. Die Delek Group ist nämlich ein Partner der US-Firma Noble Energy.

Der Istanbuler Sicherheitsexperte Gareth Jenkins warnte nun vor einer Konfrontation. Eine besonders große Gefahr sehe er, wenn türkische Kriegsschiffe im gleichen Gebiet operierten wie Noble. Demnach habe die EU seiner Ansicht nach keine andere Wahl, als Zypern zu unterstützen. Alles, was Zypern getan habe, sei im Rahmen der Gesetze, so Jenkins.

EU-Kommission ruft zur Zurückhaltung auf
Die EU Kommission rief beide Seiten am Montag zur Zurückhaltung auf. "Wir halten die Türkei dazu an, auf jede Art von Drohung zu verzichten", sagte eine Sprecherin der EU-Außenpolitikbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. Alle Parteien sollten Zurückhaltung üben und zu einem erfolgreichen Abschluss der laufenden Zypern-Verhandlungen beitragen, so die Sprecherin weiter. Die EU wolle so rasch wie möglich eine umfassende Zypern-Lösung sehen.

Die Türkei hält den türkisch bewohnten Nordteil der Mittelmeerinsel militärisch besetzt und weigert sich beharrlich, die griechisch-zypriotische Regierung in Nikosia anzuerkennen. Diese übernimmt im Juli 2012 für ein halbes Jahr den EU-Ratsvorsitz. Sollte dies passieren, will die Regierung in Ankara die Beziehungen zur EU einfrieren, so die Drohung vom Wochenende (siehe Infobox).

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