Anatomie Innsbruck

170 Körperspenden im Jahr – aber nun wird pausiert

Tirol
29.01.2023 13:00

Rund 170 Körperspenden gehen pro Jahr an das Institut für Anatomie in Innsbruck. Sie sind unverzichtbar für die Medizin. Dennoch werden an der Med-Uni Innsbruck derzeit keine neuen Spenden mehr angenommen. 

Das Institut für Anatomie der Medizin-Uni Innsbruck. Hier wird geforscht, hier wird konserviert, hier werden die Ärzte von morgen ausgebildet.

Sezierkurse sind wesentlicher Teil des Studiums. Die „Lehre am Verstorbenen“ wurde schon vor Hunderten Jahren praktiziert. Trotz aller Fortschritte ist sie bis heute unersetzbar. „So können Studierende den Aufbau und die Variabilität des Körpers im wahrsten Wortsinn begreifen“, sagt Marko Konschake, Leiter des Instituts für klinisch-funktionelle Anatomie.

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Körperspenden sind auch ein wesentlicher Bestandteil in der Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten.

Marko Konschake, Direktor des Instituts für klinisch-funktionelle Anatomie

Körperspenden seien eine Notwendigkeit und ein Privileg, dem Studierende und Wissenschafter mit Dankbarkeit und Demut begegnen. Denn auch die Forschung braucht die Beschäftigung mit Leichen. „Damit können diagnostische und therapeutische Methoden verfeinert und verbessert werden“, erklärt Konschake.

Durch die Pandemie sank zuletzt der Bedarf
160 bis 170 Körperspenden erhält die Anatomie Innsbruck im Jahr. Die Zahl derer, die ihren Körper der Forschung überlassen möchten, steigt tendenziell. Gleichzeitig sank zuletzt der Bedarf, weil durch die Pandemie Kurse ausfielen und Präsenzlehre reduziert wurde. Das hat zur Folge, dass derzeit keine neuen letztwilligen Verfügungen (Anm. Voraussetzung für Körperspenden) angenommen werden. Voraussichtlich bis 2024 nicht. Der Bedarf werde aber laufend evaluiert und neu bewertet, erklärt dazu der Institutsleiter.

Am Institut für Anatomie wird der Bedarf an Körperspenden laufend neu bewertet. (Bild: MUI)
Am Institut für Anatomie wird der Bedarf an Körperspenden laufend neu bewertet.

Die Bereitschaft für einen „letzten Dienst“ ist groß
In Österreich ist die Bereitschaft für eine Körperspende hoch. Schon in der relativ aufgeklärten Zeit von Kaiser Joseph II. war dieser letzte Dienst an der Wissenschaft verbreitet. Heute kommen weitere Gründe dazu: Eine fehlende Familie, die am Grab stehen kann, oder die schwindende Bindung zur Kirche.

Bei so manchem mögen auch hohe Begräbniskosten die Überlegung anstoßen. In Innsbruck übernahm bisher die Anatomie die Kosten für Kremierung und Beisetzung. Am Ostfriedhof in Innsbruck ist ein Ehrengrab für Körperspender reserviert.

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