21.03.2005 15:48 |

Insel Rügen

Felsabbruch als Folge unserer Umweltsünden

Die Häufung von Steilküsten-Abbrüchen auf der Insel Rügen ist nach Ansicht des Greifswalder Geologen Martin Meschede auch auf menschliche Fehlentscheidungen zurückzuführen. "Die jetzigen Abbrüche sind Reaktionen auf Sünden, die vor einhundert Jahren an der Küste begangen wurden", sagte der Greifswalder Professor für Geologie.
Damals seien große Mengen von Findlingen zu Bauzwecken aus den Uferzonen geholt worden. "Damit wurde die Küste ihres natürlichen Schutzes beraubt." Die Findlinge wurden damals für den Bau von Hafenmolen und Straßen verwendet.


Rutschmaterial schützt

Nach Ansicht Meschedes werden mit den Abbrüchen die Voraussetzungen für eine Stabilisierung an Rügens Küste geschaffen, weil Findlinge in die Uferzonen nachrutschten und als natürliche Wellenbrecher wirkten. Zusätzlich zu regelmäßigen Küstenbegehungen forderte der Professor eine bessere Beobachtung der Küste, um Gefahren rechtzeitig erkennen zu können.


Wie Meschede sagte, wird an der Universität Greifswald ein Projekt zur langfristigen Beobachtung küstendynamischer Prozesse vorbereitet. "Mit hochauflösenden Laserverfahren sollen Küstenveränderungen von der Luft aus mit bis zu 25 Zentimetern Genauigkeit registriert und langfristig dokumentiert werden." Damit lasse sich das Gefahrenpotenzial besser abschätzen.


Extreme Witterungsverhältnisse mit viel Niederschlag und starkem Frost haben laut Meschede in diesem Winter zu einer Häufung von Abbrüchen an den Steilküsten geführt. Deshalb sei es vermehrt zu so genannten Frostsprengungen gekommen, bei denen das Gestein oder die Kreide durch das Eis gelockert wurde, sagte der Geologe. So waren Ende Februar im Nordosten Rügens Teile der Kreidefelsen in die Tiefe gestürzt. Weitere Abbrüche seien nicht auszuschließen.



Sonntag, 16. Mai 2021
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