Nach zwei Auswärtsniederlagen binnen vier Tagen droht Borussia Dortmund eine ungemütliche Fußball-WM-Pause. Die wachsende Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit sorgt nicht erst seit dem 2:4 am Freitag bei Mönchengladbach für Diskussionen über die Qualität des Kaders. Sportdirektor Sebastian Kehl wirkte zerknirscht. „Das ist weit von unserem Anspruch entfernt. Es ist klar, dass uns das ein paar unruhige Wochen bescheren wird“, sagte Kehl.
Nicht minder deprimiert reagierte Offensivmann Julian Brandt auf die Pleite. „Es tut sehr weh, wenn man vor der Winterpause verliert. Das ist extrem schweres Gepäck. Für mich Kategorie selbst schuld, komplettes Unvermögen.“ Der Betriebsfrieden ist beim Revierclub empfindlich gestört. Das jüngsten Niederlagen zeigen Wirkung, bis zum Liga-Restart des BVB am 22. Jänner wird der Blick auf die Tabelle Unbehagen bereiten.
Auch Trainer Edin Terzic machte aus seinem Frust keinen Hehl: „Man verzweifelt nicht, aber man ist halt sehr enttäuscht. Jetzt haben wir einen Rückstand, den wir gutmachen müssen. Wir starten nicht bei null, wir starten bei Minus.“
Schwächer als Vorgänger
Von der Aufbruchstimmung im vergangenen Sommer, die mit der Rückkehr des bekennenden BVB-Fans Terzic auf die Cheftrainer-Position verbunden war, ist nach 15 Runden mit mehr Schatten als Licht wenig geblieben. Schließlich steht das Team sechs Punkte schlechter da als unter Terzic-Vorgänger Marco Rose zum gleichen Zeitpunkt der vorigen Saison und musste bereits sechs Niederlagen hinnehmen.
Das ist extrem schweres Gepäck. Für mich Kategorie selbst schuld, komplettes Unvermögen.
Julian Brandt
Kehl sieht großen Handlungsbedarf: „Die letzten beiden Spiele zu verlieren, das geht gar nicht. Wir werden das intern schonungslos analysieren. Es gibt einige Themen, an denen wir arbeiten müssen.“
Die lange Mängelliste schürt die Zweifel, ob die Mannschaft in dieser Saison über die nötige Qualität für einen der ersten vier Plätze verfügt. So offenbarte der BVB auch in Gladbach zum wiederholten Mal bedenkliche Abwehrprobleme und war mit dem Ergebnis noch gut bedient.
Dabei sollte gerade die Defensive mit dem Zukauf der beiden DFB-Nationalverteidiger Niklas Süle und Nico Schlotterbeck stabilisiert werden. „Da fehlt mir der Ansatz, das ist nicht zu erklären. Wenn wir so verteidigen, kann man nicht erfolgreich sein“, klagte Kehl. Ähnlich ratlos wirkte Brandt: „Mehr einladen als wir heute, kannst du einen Gegner eigentlich nicht.“
Adeyemi und Co. enttäuschen
Doch auch die Bilanz im Angriff ist eines Titelaspiranten unwürdig. Donyell Malen zündet auch in seinem zweiten Dortmunder Jahr nicht. Zudem bleiben die Neuzugänge Karim Adeyemi und Anthony Modeste seit Wochen weit unterhalb des erwarteten Niveaus. Immerhin ist der BVB in Pokal und Champions League noch im Rennen. Zudem könnten die im Jänner erwarteten Comebacks von Marco Reus, Mahmoud Dahoud, Thomas Meunier und Jamie Bynoe-Gittens helfen, Defizite zu beheben. „Wir werden hoffentlich mit dem einen oder anderen Spieler, der zurückkommt, neue Optionen schaffen. Und dann müssen wir wieder angreifen“, forderte Kehl.
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