Gegen „Alleingänge“

Selenskyj hofft auf Panzer - Deutschland zögert

Ukraine-Krieg
17.09.2022 21:53

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat weitere Waffenlieferungen aus dem Westen gefordert, um den Krieg abkürzen. Dabei übte er Kritik an Deutschland - Kanzler Olaf Scholz sträubt sich gegen direkte Lieferungen von Kampfpanzern. Er wolle keine „Alleingänge“ Berlins, wie er am Samstag erklärte. Andere Waffen liefert Deutschland allerdings doch - in zweieinhalb Jahren.

„Es ist zu früh, über das Ende des Krieges zu sprechen“, sagte Selenskyj in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Dieser Krieg hängt nur von Waffenlieferungen ab. Wenn man die Hilfe für die Ukraine beschleunigt, beschleunigt man unseren Sieg“, sagte er. Deutschland habe offenbar eine „psychologische Barriere“, Waffen zu liefern. Die modernen deutschen Waffen würden in der Ukraine aber „für die Wahrheit kämpfen, gegen den russischen Faschismus kämpfen“.

„Arsenal“ voll mit Gefangenen
Selenskyj berichtete in dem Interview auch, dass die Ukraine während der Offensive in der Region Charkiw „hunderte“ russische Soldaten gefangen genommen habe. Man habe solcherart das „Arsenal“ für einen Gefangenenaustausch mit Russland „gefüllt“.

Während der deutsche Kanzler Olaf Scholz am Samstag die gewünschten Panzerlieferungen neuerlich ablehnte, genehmigte die deutsche Regierung die Ausfuhr von 18 Haubitzen des Rüstungskonzerns Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Ein Bericht der „Welt am Sonntag“ über den Deal im Umfang von 216 Millionen Euro wurde von einem Regierungssprecher am Samstag bestätigt. Allerdings können die Haubitzen frühestens in zweieinhalb Jahren ausgeliefert werden. Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, zeigte sich dennoch erfreut. „Damit wird ein großer Beitrag geleistet, um die Schlagkraft der ukrainischen Armee massiv zu stärken“, sagte er der Zeitung.

„Waffen machen echten Unterschied“
Rob Bauer, der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses - der obersten militärischen Instanz des Bündnisses - hob indes die Bedeutung der westlichen Militärhilfe für die jüngsten Kriegserfolge der Ukraine hervor. „Die Munition, Ausrüstung und Ausbildung, die die Verbündeten und andere Nationen liefern, machen auf dem Schlachtfeld einen echten Unterschied“, sagte der Niederländer am Samstag in Estlands Hauptstadt Tallinn, wo sich der aus den Generalstabschefs der 30 Bündnisstaaten bestehende Ausschuss am Samstag traf.

In der südukrainischen Stadt Saporischschja kam indes ein enger Mitarbeiter von Papst Franziskus unter Beschuss. Der Kurienkardinal Konrad Krajewski verteilte Hilfsgüter, als Schüsse fielen, meldete das Nachrichtenportal „Vatican News“. Die Gruppe habe in Deckung gehen müssen. „Zum ersten Mal in meinem Leben wusste ich nicht, wohin ich fliehen soll“, sagte Krajewski, der als Almosenmeister des Vatikans für Hilfsaktionen zuständig ist. Die Gruppe blieb unverletzt und Krajewski konnte seine Mission fortsetzen. Begleitet wird der Kardinal von einem katholischen und einem protestantischen Bischof.

Aufatmen in AKW Saporischschja
Gute Nachrichten gab es aus dem nahegelegenen ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja. Wie die internationale Atomenergiebehörde IAEA am Samstag mitteilte, ist eine der Stromversorgungsleitungen des größten europäischen AKW repariert worden und wieder in Betrieb. Die übrigen drei 750-Kilovolt-Leitungen blieben außer Betrieb, hieß es. Die Stromversorgung wird für die sicherheitskritische Kühlung der Anlage benötigt, da alle sechs Reaktoren heruntergefahren wurden und das Kraftwerk deswegen selbst keinen Strom mehr produziert.

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