Wolfgang Fetz, langjähriger Leiter des Bregenzer Kulturamts, ist vor neun Tagen verstorben. Am Freitag nahmen Wegbegleiter, Freunde und Familie Abschied. Bei den Trauerfeierlichkeiten wurde der Kunsthistoriker und Kurator für seinen brillanten Geist, seine Genauigkeit und seine Verdienste um Bregenz gewürdigt.
Nahezu drei Jahrzehnte war Wolfgang Fetz im Kulturamt von Bregenz tätig, förderte und forderte Kunst und Stadtbewohner gleichermaßen. Die „Bregenzer Meisterkonzerte“ wie auch das Tanzfestival „Bregenzer Frühling“ wurden unter seiner Federführung zu herausragenden kulturellen Fixpunkten in der Region. Für die Ausstellungen des Bregenzer Kunstvereins im Magazin 4, einst von Wolfgang Fetz mitbegründet, reisten viele sogar aus dem Ausland an.
Streitbarkeit und Diskurslust
Eines der letzten großen Projekte im Magazin 4 war das auf mehrere Jahre angelegte kuratorische Experiment „six memos for the next...“ - angelehnt an Italo Calvino. Kurator Jörg van den Berg arbeitete dafür mit Fetz und anderen zusammen: „Ja, es gibt dieses Fetzsche Lebenswerk. Einen kleinen Teil durfte ich daran mitarbeiten und ich habe davon nur profitiert. Von Wolfgangs unfassbarer Leidenschaft für die so unterschiedlichen Ausprägungen der Spitzenkultur; von seiner Großzügigkeit und seinem Vertrauen in unser Tun; von seiner Streitbarkeit und Diskurslust in allen Fragen gegenwärtiger Kunst, Kultur und Gesellschaft.“
Was Wolfgang Fetz allein im Magazin 4 über Jahrzehnte hinweg möglich gemacht hat oder auch nur zugelassen hat, das ist im Rückblick letztlich gar nicht hoch genug zu bewerten. Das Magazin 4 war ein Raum des fortgesetzten Experiments. Und immer wieder hat er in diesem Raum die Welt (der aktuellen Kunst) nach Bregenz geholt.
Kurator Jörg van den Berg
Auch bei der Trauerfeier am Freitag wurde noch einmal deutlich, wie Wolfgang Fetz andere um sich herum inspirieren und in Fragen der Kunst, der Literatur, der Philosophie und Kulinarik involvieren konnte.
Wolfgang war ein überaus kluger, gebildeter, engagierter und aufrechter Mann, mit ihm zu arbeiten, war intellektuelle Herausforderung und Bereicherung. Ohne seine Initiativen wäre Bregenz kulturell ärmer, ja provinzieller. Dennoch geschah ihm in Bregenz Unrecht, was ihn zunehmend von der Stadt und ihrer Gesellschaft entfremdete.
Kurator Gerald Matt
Auftrag an kommende Generationen
Martin Gruber, Regisseur des aktionstheater ensembles, das regelmäßig im Rahmen des „Bregenzer Frühlings“ auftritt, schreibt zum Ableben von Wolfgang Fetz: „Seine Liebe zur Kunst und sein messerscharfer Blick haben ihn ausgezeichnet. Jener Blick auf alles Künstlerische war mitunter gnadenlos.“ Die „wegweisende kuratorische Tätigkeit“ von Wolfgang Fetz will Gruber als „Auftrag für kommende Generationen“ sehen.
Wolfgang Fetz war ein echter Kämpfer für die Kunst, das gibt es heute in dieser Form kaum noch. In der Kulturszene kommt es öfter zu Grabenkämpfen, bei denen es überhaupt nicht mehr um die Kunst geht. Wolfgang war da anders. Auch gibt es immer wieder Abhängigkeiten, Wolfgang hatte dagegen eher eine vereinzelte Position, er war nicht everbody’s darling.
Künstler Carsten Fock
Ohne Wolfgang Fetz jedenfalls wäre die Stadt Bregenz wohl ärmer - an Esprit und kulturellem Impetus.













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