Positiv ins Bad & Co.

Rauch: „Das haben Infizierte bisher auch gemacht“

Politik
26.07.2022 22:55

Ungewohnt scharf hat Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) am Dienstagabend in der „ZiB 2“ das Aus für die Corona-Quarantäne verteidigt. Auf den Einwand, dass nun positiv Getestete möglicherweise ohne die verpflichtende FFP2-Maske ins Freibad oder Lokal gehen würden, sagte Rauch, das hätten sie „bisher auch gemacht, wir wissen das aus unseren Befragungen“. Druck auf ihn, die Quarantäne abzuschaffen, habe es keinen gegeben - „Ich bin darauf nicht gepolt“ -, Kritik seiner Ehefrau parierte er mit: „Ich liebe meine Frau.“

Mit der Antwort Rauchs, dass ihm „grundsätzlich überhaupt nichts egal“ sei, das mit Covid zu tun hat, wurde der teilweise patzige Schlagabtausch in der Sendung eingeleitet. In weiterer Folge reagierte der Gesundheitsminister auf so gut wie jede Frage von Moderator Martin Thür scharf, hin und wieder auch mit genervtem Unterton.

Man habe jetzt eine „veränderte Situation“ mit einer „komplett anderen Virusvariante“, deshalb sei der Zeitpunkt für den Wechsel von Isolation hin zu Verkehrsbeschränkung gekommen. Die Entscheidung halte er für vertretbar, es habe auch keinen diesbezüglichen Druck auf ihn gegeben. „Ich bin lange genug im Geschäft und auch alt genug. Ich bin auf Druckausübung nicht gepolt“, so Rauch.

Gesundheitsminister Johannes Rauch: „Tun wir bitte nicht so, als ob wir nicht mit der Pandemie leben könnten.“ (Bild: Screenshot tvthek.orf.at)
Gesundheitsminister Johannes Rauch: „Tun wir bitte nicht so, als ob wir nicht mit der Pandemie leben könnten.“

Kontrollen auch jetzt schon nur stichprobenartig
Infizierte seien auch bisher ins Schwimmbad oder in Lokale gegangen - und natürlich sei es „nicht egal, wie man sich verhält“, man solle „Vorsicht walten lassen“. Was das Thema Kontrollen angehe, so seien diese zuletzt auch nur stichprobenartig erfolgt. Man sei auch bisher darauf angewiesen gewesen, dass sich der überwiegende Teil der Bevölkerung an die Regeln gehalten habe.

Angesprochen auf die Kritik seiner Ehefrau, der Vorarlberger SPÖ-Vorsitzenden Gabriele Sprickler-Falschlunger, die sich per Aussendung am Vortag mit der Lockerung unzufrieden gezeigt und das Vorgehen ihres Ehemannes als „mit Sicherheit falsch“ bezeichnet hatte, sagte der Minister: „Ich liebe meine Frau, sie hat eine andere Meinung, und das ist auch gut so.“ Frauen müssten nicht die Meinung ihres Mannes teilen.

„Weltfremde Sichtweise“
Als Thür beim Thema Großraumbüro nachhaken wollte, wie das nun vonstattengehen solle, wenn Infizierte künftig Seite an Seite mit Gesunden arbeiten und auch acht Stunden lang nichts essen und trinken dürften, weil sie die Maske nicht abnehmen dürften, unterstellte Rauch Thür eine „weltfremde Sichtweise“. Die Pandemie sei in den Unternehmen seit zwei Jahren Alltag. „Tun wir doch nicht so, als wenn ein Leben mit der Pandemie nicht möglich wäre!“, so der Minister.

Wer krank oder positiv ist, kontaktiert den Hausarzt
Wenn jemand krank oder positiv sei, dann habe er seinen Arzt, seine Ärztin anzurufen - entweder um sich krankschreiben zu lassen oder um zu besprechen, ob die Gabe eines Corona-Medikaments angezeigt sei. Seit Jänner seien in Österreich Medikamente gegen schwere Verläufe verfügbar, die bisher zu wenig zu den Patientinnen bzw. Patienten kommen würden. Aus Angst vor Ansteckung daheimzubleiben, sei jedenfalls nicht möglich. 

Gesundheitsminister Johannes Rauch im Gespräch mit „ZiB 2“-Moderator Martin Thür (Bild: Screenshot tvthek.orf.at)
Gesundheitsminister Johannes Rauch im Gespräch mit „ZiB 2“-Moderator Martin Thür

Positives Kindergartenkind mit Maske in die Betreuung
Beim Thema Kindergärten wurde Rauch noch einmal eine Nuance schärfer: „Kein Mensch auf dieser Welt, kein Elternpaar kommt auf die Idee, Kinder mit Windpocken irgendwohin zu schicken! Niemand wird auf die Idee kommen, ein positiv getestetes Kind in den Kindergarten zu bringen!“, gab der Minister sich überzeugt. Sei das Kind infiziert, aber habe keine Symptome, könne man es mit Maske in die Betreuung bringen. Auf den Einwand, dass das in der Stadt Wien nicht gehe, musste Rauch einlenken: „
Was die Stadt Wien in dieser Frage macht, wird die Stadt Wien zu entscheiden haben.“

„Am Ende des Tages trage ich die Verantwortung“
Was den Herbst angehe, so sieht Rauch Österreich für „gut gerüstet, wir sind top vorbereitet“. Und wenn im Herbst aufgrund neuer Varianten ein anderes Vorgehen angezeigt sei, dann werde man reagieren. Klar sei jedenfalls, am Ende des Tages trage er die Verantwortung dafür.

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