So plant die Regierung

Corona: Vier Szenarien – und was uns dann erwartet

Politik
26.07.2022 15:14

Vier Szenarien sieht der bereits vor Wochen angekündigte und am Dienstag aufgetauchte Varianten-Managementplan der türkis-grünen Bundesregierung vor - und je nachdem, welches Szenario uns trifft, sollen dann entsprechende Konsequenzen folgen. Im „Worst Case“ sogar wieder Lockdowns, allerdings „sollte künftig auf kurze, harte Lockdowns gesetzt werden“. Auch geplant ist, dass sich alle ab zwölf Jahren, die bislang von einer Infektion verschont wurden, vier bis sechs Monate nach der dritten Impfung schon den vierten Stich holen können.

Die vier beschriebenen Szenarien orientieren sich an der Entwicklung der Pandemie - sowohl weltweit, also auch im eigenen Land:

  • Idealfall/„Best Case“: Die Pandemie läuft aus, Infizierte weisen nur noch milde Symptome, vergleichbar mit einer Erkältung, auf. Selbst wenn neue Varianten entstehen, kommt es nicht zu einem massiven Anstieg der Neuinfektionen, abgesehen von saisonalen Ausbrüchen. Die aktuellen Impfstoffe wirken, Einschränkungen im wirtschaftlichen und sozialen Leben sind nicht notwendig.
  • Günstiger Fall: Die Pandemie hält noch an, schwächt sich aber aufgrund zunehmender, globaler Immunität längerfristig ab. Neue Varianten können dennoch Wellen verursachen, schwere Verläufe begrenzen sich auf vulnerable Gruppen. Partielle Einschränkungen wie FFP2-Maskenpflicht in Pflegeheimen oder Krankenhäusern sind notwendig, auch in öffentlichen Verkehrsmitteln könnten sie wieder eingeführt werden. Um den Impfschutz zu gewährleisten, sind regelmäßige Auffrischungen nötig.
  • Ungünstiger Fall: Die Pandemie hält an, das Virus mutiert weiter. Weltweit kommt es immer wieder zu unvorhersehbaren Ausbrüchen aufgrund der neuen Varianten. Die neuen Mutationen weisen außerdem eine Resistenz gegenüber gängigen Corona-Medikamenten auf. Es kommt während der Infektionswellen zu weitreichenden Störungen des gesellschaftlichen und sozialen Lebens. Die Impfung muss jährlich angepasst werden. Schwere Verläufe und erhöhte Sterblichkeit konzentrieren sich aber weiterhin auf besonders gefährdete Gruppen. In diesem Szenario sind bereits Zugangsbeschränkungen mit 3G oder 2G vorgesehen. Die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen sowie Homeoffice für alle, wo dies möglich ist, sind hier vorgesehen. Wo kein Homeoffice möglich ist, sollen feste Teams gebildet und besondere Schutzmaßnahmen eingeführt werden. Möglicherweise könnten auch bereits in dieser Phase nächtliche Ausgangssperren gelten, was wiederum die Nachtgastronomie treffen würde. Große Veranstaltungen und Treffen wären wieder verboten.
  • Sehr ungünstiger Fall/„Worst Case“: Die Corona-Pandemie verstärkt sich, neue Varianten entstehen, die nicht nur infektiöser, sondern auch gefährlicher sind als bisherige. Die Spitalszahlen steigen massiv, erneute Wellen verursachen eine Zunahme bei den schweren Erkrankungen. Hier sind besonders Menschen mit nicht ausreichender Immunität betroffen. Lockdowns, Reisebeschränkungen und andere Einschränkungen im sozialen und wirtschaftlichen Leben dominieren diese Phase. Für Personen in kritischer Infrastruktur gilt eine Testpflicht, im Fall eines Lockdowns sei ein „frühzeitiger, kurzer, aber stringenter Lockdown - wenn nicht vermeidbar - vorzuziehen“.
Einschränkungen für die Gastronomie und Hotellerie könnten wieder kommen, wenn sich die Lage massiv verschärft. (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)
Einschränkungen für die Gastronomie und Hotellerie könnten wieder kommen, wenn sich die Lage massiv verschärft.

„Plausible Einschätzung aus heutiger Sicht“
In dem Papier wird betont, dass es sich bei diesen Szenarien um „plausible Einschätzungen aus heutiger Sicht, deren Eintrittswahrscheinlichkeit nicht quantifiziert oder an einzelnen Parametern festgemacht werden kann. Ebenso ist es möglich, dass die künftige tatsächliche Entwicklung der Pandemie einen anderen Verlauf nimmt oder es aber zu einem Übergang von einem Szenario in ein anderes kommt“. So weit, so gut. 

Im Idealfall sollen nur mehr Personen mit Symptomen getestet werden. (Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)
Im Idealfall sollen nur mehr Personen mit Symptomen getestet werden.

Wer wann wie getestet wird, soll übrigens auch vom jeweiligen Szenario abhängen. Während im Idealfall nur noch bei Symptomen getestet werden soll, werden ab Szenario 2 („Günstiger Fall“) Verdachtsfälle und Kontaktpersonen getestet, außerdem soll es hier ein kostenfreies Angebot von fünf PCR-Tests und fünf Antigen-Tests pro Monat geben. Bei den Szenarien 3 und 4 plant man eine nicht näher konkretisierte „Erweiterung der settingspezifischen Testmöglichkeiten“. 

Keine Anzeigepflicht mehr bei „Idealfall“
Brisant: In Szenario 1 wäre Covid-19 keine anzeigepflichtige Krankheit mehr, es bestünde auch keine Absonderungspflicht und auch keine Verkehrsbeschränkung für positiv getestete Personen. Erkrankte Personen befinden sich aber sehr wohl wie bei allen anderen Erkrankungen im Krankenstand. Bei Szenario 2 setzt man lediglich auf Verkehrsbeschränkungen, erst ab Szenario 3 müssen sich Infizierte wieder isolieren. 

Vierter Stich für alle ab zwölf Jahren
Weiterhin aufrechterhalten will man das kostenfreie Impfprogramm, unabhängig von der jeweiligen Entwicklung. Auch soll ab Herbst 2023 wieder bundesweit gegen Grippe geimpft werden - hier ist dann allerdings die Rezeptgebühr fällig. Kinderimpfungen bleiben gratis. Ab Szenario 2 soll es dann wieder vermehrt Aufrufe zur Impfung geben. Generell will man all jenen ab zwölf Jahren, die bislang keine Corona-Infektion durchgemacht haben, auf Wunsch den vierten Stich anbieten. Die Sicherstellung von genügend Impfstoff, aber auch die Auslieferung von Corona-Medikamenten soll weiterhin zentral erfolgen. 

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