24.07.2022 15:00 |

Flammen in Slowenien

„Die Rauchsäule hat ausgesehen wie ein Atompilz“

Flammen schlagen in den Himmel, die Luft ist kaum zu atmen. Der Karst brennt, aktuell betroffen ist Slowenien. Die „Krone“ war vor Ort und machte einen Lokalaugenschein.

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Nur wenige Kilometer von Monfalcone entfernt liegt die italienische Gemeinde Doberdò del Lago. Hier lebt Robert Devetta, der von den Bränden, die in seiner unmittelbaren Nähe gewütet haben, gezeichnet ist wie alle Betroffenen: „Bei uns ändert sich die Situation stündlich! Gestern in der Früh war die Luft so voller Rauch und Aschepartikel, dass man sie kaum atmen konnte. Am Vormittag hat sich die Situation dann zwar entspannt, aber nur weil sich der Wind gelegt hat. Die letzten Tage waren schlimm! Wir sind müde und erschöpft“, erzählt der 50-jährige Geschäftsführer, der täglich über die Grenze nach Slowenien pendelt, wohin sich die Brandherde aktuell verlagert haben.

„Ich habe Angst um meine Freunde, die um ihre Häuser kämpfen wie beispielsweise in Nova Vas. Aus slowenischen Ortschaften sieht man immer wieder Flammen schlagen, und am Freitag ist eine Rauchsäule am Himmel gestanden, die ausgesehen hat wie ein Atompilz.“

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Ich lebe in Italien in der Nähe von Monfalcone. Freitag stand eine Rauchsäule am Himmel, die ausgesehen hat wie ein Atompilz.

Betroffener im italienischen Grenzgebiet zu Slowenien

„Es brennt überall“
Die Schrecken einer Feuersbrunst hat auch Sandi Saksida in der slowenischen Gemeinde Renče am Fuße des Karst erlebt. Hier sitzt die freundliche Deutschlehrerin, „wie wir alle“, im Haus und hofft auf Entwarnung: „Niemand geht hinaus, und die Bevölkerung in den Nachbardörfern musste in den letzten Tagen immer wieder evakuiert werden. Das ist uns zwar bislang erspart geblieben, aber es brennt überall und der Wind verschlimmert die Situation. Viele Hubschrauber sind seit Tagen im Einsatz, und aus Kroatien wurde das Löschflugzeug Canadair geschickt, das über 6000 Liter Wasser fasst“, ist die 49-Jährige dankbar für die grenzüberschreitende Hilfe aus der Luft.

Lebensgefahr durch scharfe Granaten
Was für sie das Schlimmste ist? „Immer wieder explodieren Granaten aus dem Ersten Weltkrieg, weil hier die Isonzo-Front verlaufen ist. Und das ist eine große, zusätzliche Gefahr für die unermüdlichen Feuerwehren und Helfer, die Tag und Nacht darum kämpfen, die Situation unter Kontrolle zu bringen.“

Doch auch ein anderes Bild hat sich der Slowenin im wahrsten Sinne des Wortes eingebrannt: „Als sich das Feuer langsam, aber unaufhaltsam seinen Weg durch die Vegetation gefressen hat und über den Karsthang auf uns zugekrochen ist. Das werde ich nie vergessen!“

Viele Familien fuhren frühzeitig nach Hause
Auch viele Touristen wurden von den Flammen überrascht: „Als schwarzer Rauch zu sehen war, sind viele Familien frühzeitig nach Hause gefahren!“, so Touristiker aus Duino.

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Auf der Fahrt nach Italien konnten wir schon im Kanaltal Rauch sehen. Hubschrauber haben das Feuer von der Luft aus bekämpft!

Tourist aus der Steiermark

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Ich fahre mit meiner Familien nach Venedig, dort sind die Brände nicht so schlimm. Hoffentlich können wir den Urlaub genießen.

Urlauberin aus Knittelfeld

Polizistin (56) im Löscheinsatz getötet
Dass die Brände nicht nur kräftezehrend, sondern auch gefährlich sind, zeigt der tragische Tod einer italienischen Polizistin. Sie hatte freiwillig bei den Löscharbeiten in Prepotto geholfen, als sie von einem Baum erschlagen wurde. Ein Feuerwehrmann im Dauereinsatz: „Es brechen überall zusätzlich kleinere Brände aus. Wir sind erschöpft!“

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