19.07.2022 08:00 |

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Nach Wilderei im Notärztepool: Heftige Reaktionen

Weil die Krankenhäuser bei Überstellungstransporten auf den externen Notärztepool zurückgreifen, fehlen in Tirol Notärzte für Primäreinsätze. Rein rechtlich müssten die Krankenhäuser die Transporte selbst besetzen.

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Die Berichte der „Krone“ über den Notärztemangel haben zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Den Vorwurf von Andrea Haselwanter-Schneider, der Parteiobfrau der Liste Fritz, dass es ausreichend Notärzte gebe, diese aber schlecht koordiniert seien, lässt Rot-Kreuz-Chefarzt Thomas Fluckinger nicht gelten. Dafür zeigt er im Zusammenhang mit dem Notärztemangel das Problem auf, dass die Krankenhäuser für Überstellungstransporte auf die externen Notärzte zurückgreifen. „Diese fehlen uns dann natürlich für die Primäreinsätze, für die sie eigentlich vorgesehen sind“, sagt Fluckinger.

Krankenhäusern fehlen Ärzte
Rein rechtlich betrachtet müssten die Krankenhäuser freilich selbst den Arzt stellen, wenn ein Patient beispielsweise vom Krankenhaus Hall in die Innsbrucker Klinik gebracht werde. „Sie tun das jedoch leider nicht“, ärgert sich Fluckinger. Und warum nicht? „Weil auch ihnen die Mediziner fehlen“, weiß er. Dabei gebe es genügend private Anbieter, die derartige Überstellungsfahrten übernehmen könnten. Diese würden allerdings deshalb nicht zum Zug kommen, weil ihre Tarife wesentlich höher seien. Diese Situation will die Parteiobfrau nicht akzeptieren: „Hier muss das Land das Geld in die Hand nehmen, um dieses Problem zu beheben.“

Weitere Herausforderungen
Unabhängig vom Problem der Überstellungsfahrten weist Rot-Kreuz-Chefarzt Fluckinger auch darauf hin, dass in Tirol gleich mehrere Notarztsysteme aus einem einzigen Pool zu befüllen seien. So gibt es das Notarztsystem mit den niedergelassenen Ärzten – etwa im vorderen Zillertal–, dazu kommen die beim Roten Kreuz angestellten Notärzte sowie jene Notärzte, die per Werkvertrag tätig sind. Überdies muss auch das Notarzthubschraubersystem besetzt sein.

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Im Vorjahr gab es 600 Überstellungsfahrten in Tirol, bei denen jeweils ein Notarzt aus dem Primärsystem abgezogen wurde. Meist gingen die Fahrten in die Klinik.

Dr. Thomas Fluckinger, Chefarzt Rotes Kreuz Tirol

Doppelbelastung für die Krankenhäuser ein Problem
In Krankenhäusern angestellte Ärzte gehen einer Nebenbeschäftigung nach, die der Dienstgeber genehmigen muss. „Und er will natürlich Mitarbeiter, die ausgeschlafen und nicht zusätzlich belastet sind“, gibt Fluckinger zu bedenken. So würden es die Krankenhäuser nicht unbedingt gerne sehen, wenn ihre Mediziner neben dem Hauptberuf noch als Notärzte fahren.

Die in der „Krone“ präsentierten Tarifempfehlungen der Ärztekammer seien sehr hoch, niemand sei bereit, diese zu bezahlen. So erhalten die Notärzte mit Rot-Kreuz-Werkvertrag 50 Euro brutto in der Stunde. Die Notfallmediziner aus dem Kreis der niedergelassenen Ärzte im vorderen Zillertal bekommen laut Dr. Matthias Jäger aus Aschau gar nur 36,67 Euro und rund 138 Euro pro Einsatz (bei durchschnittlich zwei Einsätzen pro Dienst) – alles vor Steuer.

Sie müssen zudem die Ausrüstung selbst bereitstellen. Lukrativ sieht anders aus.

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