Experten schlagen Alarm: Todesdramen durch fehlende Notärzte wie in der Steiermark können auch in Tirol passieren. Betroffen ist unter anderem der Notarztstützpunkt Schönberg im Stubaital. Auch in Imst und Hall gibt es offenbar Probleme.
Es war der 24. Juni 2022. Wegen eines Notfalls um 21 Uhr in Mieders im Stubaital setzte die Leitstelle Tirol die Rettungskette in Gang. Das Problem dabei: Am Notarztstützpunkt in Schönberg, der sich in unmittelbarer Nähe des Einsatzortes in Mieders befindet, stand kein Notarzt im Dienst. So wurde vorerst nur ein Gemeindenotfallsanitäter – quasi als „First Responder“ – hinüber nach Mieders geschickt.
Minuten, die über Leben und Tod entscheiden können
Praktisch gleichzeitig alarmierte die Leitstelle Tirol den Notarzt in Innsbruck, der sich auf den rund 15 Kilometer langen Weg nach Mieders machte. Zum Vergleich: Die Strecke zwischen Notarztstützpunkt in Schönberg und dem Einsatzort beträgt lediglich rund vier Kilometer. Ein Unterschied, bei dem im Ernstfall Minuten ungenützt verstreichen, die über Leben und Tod entscheiden können. Die zusätzliche Problematik: Der „Innsbrucker“ Notarzt fehlte unterdessen in der Landeshauptstadt. Die Leitstelle Tirol hat den Ablauf des Einsatzes in Mieders gegenüber der „Tiroler Krone“ bestätigt.
Um eine Situation wie derzeit in Schönberg künftig zu vermeiden, arbeiten wir gerade an verschiedenen Maßnahmen. Wir wollen in der Zukunft schon vor dem Ausscheiden von Notärzten Ersatz parat haben.
Wilfried Unterlechner, GF Landesverband Rotes Kreuz
Insider wissen von mehreren ähnlichen Notfällen, bei denen in Schönberg kein örtlicher Notarzt im Dienst und somit nicht zur Verfügung stand. In Hall und Imst soll es eine ähnliche Problematik geben. „Todesfälle wie in der Steiermark sind zu befürchten“, heißt es.
„Haben auf diesem Stützpunkt zuletzt mehrere Notärzte verloren“
Wilfried Unterlechner, einer von drei Geschäftsführern des Landesverbandes Tirol des Roten Kreuzes, kennt die Notarztproblematik in Schönberg. „Wir haben auf diesem Stützpunkt zuletzt mehrere Notärzte verloren“, gibt Unterlechner preis. Eine Notärztin sei aus dem Dienstvertrag ausgeschieden, dazu gebe es eine Personalreduktion aus Altersgründen. „Die Versorgungssicherheit ist aber dennoch gegeben“, betont er. Denn ein bestens ausgebildeter Notfallsanitäter übernehme die Primärversorgung, ein Notarzt werde nachalarmiert.
„Es gibt ohnehin unterschiedliche Fachmeinungen, was besser ist: Wenn der Notarzt erst zum Patienten kommt oder der Patient gleich ins Krankenhaus transportiert wird“, sagt der Geschäftsführer. Die fehlenden Notarztstellen in Schönberg „werden jedenfalls nachbesetzt“, die Ausschreibungen seien am Laufen.














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