Schulmassaker in Texas

Bericht attestiert Polizei „systemisches Versagen“

Ausland
18.07.2022 09:11

Zwei Monate nach dem furchtbaren Massaker in einer Schule in Uvalde im US-Bundesstaat Texas mit 21 Toten macht jetzt ein Untersuchungsbericht „systemische Fehler und ungeheuerliche Fehlentscheidungen“ für den zögerlichen Polizeieinsatz verantwortlich. Obwohl fast 400 Beamte im Einsatz waren, wurde der Täter erst nach 75 Minuten überwältigt.

„Sie haben es versäumt, die Rettung unschuldiger Opfer über ihre eigene Sicherheit zu stellen“, zitierte die Zeitung „Texas Tribune“ am Sonntag aus dem Bericht. Viele der Einsatzkräfte seien besser ausgebildet und ausgerüstet gewesen als die Polizei des Schulbezirks. Sie hätten helfen können, das sich ausbreitende Chaos zu bewältigen, zitierte das Blatt aus dem Untersuchungsbericht.

Angreifer tötete 19 Schüler und zwei Lehrerinnen
Der Bericht über den Polizeieinsatz am 24. Mai wurde von einem Untersuchungsausschuss des texanischen Repräsentantenhauses verfasst und am Sonntag an Angehörige verteilt. Ein 18 Jahre alter Schütze hatte bei der Tat in der Kleinstadt 19 Kinder und zwei Lehrerinnen getötet. Der Angreifer hatte mit einem Sturmgewehr auf die Kinder und Lehrerinnen der Robb Elementary School geschossen.

Die Polizei wurde wegen des zögerlichen Einschreitens heftig kritisiert. Nach der Tat änderte sie immer wieder ihre Angaben zum Ablauf des Geschehens. Es stellte sich schließlich heraus, dass die Polizei erst rund 75 Minuten nach ihrem Eintreffen den Täter überwältigte. 

Ein vergangene Woche von der Zeitung „Austin American-Statesman“ veröffentlichtes Video zeigt, wie die Polizei 77 Minuten lang in einem Flur in Deckung geht, bevor sie in die beiden verbundenen Klassenzimmer stürmt, um den Schützen zu überwältigen. Im Mai hatten erste Ermittlungen ergeben, dass Kinder in den Klassenzimmern mindestens sechs Mal den Notruf wählten, während die Einsatzkräfte im Flur warteten.

(Bild: kameraOne)

Polizisten: Niemand wusste, wer das Kommando hat
Die begangenen Fehler seien nicht auf einen Mangel an Einsatzkräften zurückzuführen, sondern auf das Fehlen von Führungsqualitäten und effektiver Kommunikation. Mehrere Polizisten hätten die Szenen am Tatort als chaotisch beschrieben und nicht gewusst, wer überhaupt das Kommando habe. Niemand habe die Initiative ergriffen und das Kommando übernommen, hieß es weiter.

Der schlimmste Amoklauf an einer Schule seit fast einem Jahrzehnt hatte in den USA Entsetzen ausgelöst und die Diskussion um strengere Waffengesetze neu entflammt.

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