Nach erneutem Protest

Russische Journalistin Owsiannikowa festgenommen

Ausland
18.07.2022 06:38

Nach einer zweiten Protestaktion gegen Russlands Angriffskrieg in der Ukraine ist die Fernsehjournalistin Marina Owsiannikowa vorübergehend festgenommen worden. Auf ihrem Telegram-Kanal wurden am Sonntag Fotos gepostet, die zeigen, wie sie von Polizisten in einem Minibus abgeführt wird. In der Nacht auf Montag teilte das Moskauer Bürgerrechtsportal „OVD-Info“ dann unter Berufung auf ihren Anwalt mit, dass sie wieder frei sei.

Marina Owsiannikowa wurde laut „OVD-Info“ aus der Polizeistation entlassen, muss sich aber vor Gericht verantworten. Während der jüngsten Anhörung des Oppositionellen Ilja Jaschin vor dem Moskauer Gericht soll sie sich „diskreditierend“ über die Streitkräfte geäußert haben. Owsiannikova hatte gesagt, dass die „Kriminellen“, die für die Invasion in der Ukraine verantwortlich sind, eines Tages vor ein Tribunal gestellt werden.

„Putin ist ein Mörder“
Am Freitag hatte Owsiannikowa außerdem Fotos gepostet, wie sie mit einem Protestplakat in Sichtweite des Kremls steht. „Putin ist ein Mörder“, stand auf dem Plakat und: „Seine Soldaten sind Faschisten.“ In der Ukraine seien bereits 352 Kinder getötet worden. „Wie viele Kinder müssen noch sterben, bis ihr aufhört?“ Unklar blieb, von wann die Bilder waren und wie lange Owsiannikowa an der Uferstraße des Flusses Moskwa gestanden hatte. Üblicherweise unterbindet die russische Polizei solche Proteste in Minutenschnelle.

Das Foto auf dem Telegram-Kanal der Journalistin zeigt ihre Festnahme. (Bild: Telegram/womanwithposter)
Das Foto auf dem Telegram-Kanal der Journalistin zeigt ihre Festnahme.

Weltberühmt wurde die Mitarbeiterin des russischen Staatsfernsehens im März, als sie in einer Live-Sendung ein Protestplakat gegen den Krieg in die Kamera gehalten. Darauf stand: „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“. Dafür bekam die bis dahin als Kreml-treu geltende Redakteurin weltweit Anerkennung. In Russland wurden Geldstrafen gegen sie verhängt. Nach der Aktion lebte sie zwischenzeitlich im Ausland und berichtete für die deutsche Zeitung „Welt“.

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