„Bombardierungswelle“

Russen greifen Charkiw und andere Städte massiv an

Ausland
11.07.2022 10:28

Die russische Artillerie greift nach Angaben des ukrainischen Generalstabes massiv die Stadt Charkiw an und bereitet eine Großoffensive im Osten des Landes vor. Zahlreiche Raketenwerfer und Panzer seien im Einsatz. Es sei eine regelrechte Bombardierungswelle gestartet worden, die schon mehrere Städte im Osten getroffen habe. Die Angriffe würden der Vorbereitung einer Großoffensive dienen, heißt es seitens der Ukraine.

Die Region Charkiw liegt westlich von Luhansk und Donezk. In der gleichnamige Stadt Charkiw, nach der Hauptstadt Kiew die zweitgrößte der Ukraine, wurde in der Nacht auf Montag ein Wohnhaus getroffen. Berichte über mögliche Opfer gebe es aber bisher nicht, teilten die Behörden mit.

Suche nach Überlebenden in Tschassiw Jar
Zugleich suchten in Tschassiw Jar im Osten der Ukraine Rettungskräfte weiter nach Überlebenden, die noch immer unter den Trümmern eines am Samstagabend mit Raketen beschossenen Wohnhauses vermutet wurden. Rund zwei Dutzend Menschen - darunter ein Kind - werden noch vermisst. Mindestens 18 Menschen wurden bei dem Einschlag getötet.

Russland hat die Invasion seines Nachbarlandes am 24. Februar begonnen. Seit geraumer Zeit konzentrieren sich die Kämpfe auf den Osten der Ukraine. Nach der von Russland erklärten Einnahme der Region Luhansk liegt nun Donezk im Fokus. Die beiden Regionen bilden zusammen den Donbass, ein von Industrie geprägtes Gebiet im Osten, in dem bereits seit 2014 von Russland unterstützte Separatisten weite Teile kontrollieren.

Die russische Führung hat wiederholt erklärt, in dem von ihr so bezeichneten militärischen Sondereinsatz würden keine Zivilisten ins Visier genommen. Der Einsatz diene der Entmilitarisierung des Nachbarlandes und seiner Befreiung von Nationalisten. Der Westen und die Ukraine dagegen sprechen von einem nicht provozierten Angriffskrieg und werfen den russischen Streitkräften Kriegsverbrechen vor.

Ukraine bereitet Gegenoffensive im Süden vor
Im Süden bereiten die ukrainischen Streitkräfte offenbar eine Gegenoffensive vor. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk rief am Sonntag die Zivilbevölkerung in der von Russland besetzten Region Cherson auf, diese zu verlassen. „Ich weiß mit Sicherheit, dass dort keine Frauen und Kindern sein sollten und dass sie nicht zu menschlichen Schutzschilden werden sollten“, sagte sie im Fernsehen. Wann die Gegenoffensive beginnen könnte, ließ sie offen.

In dem größten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg wurden bereits Tausende Menschen getötet. Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer sind auf der Flucht vor den Kämpfen. Mehr als 5,5 Millionen von ihnen sind ins Ausland geflohen.

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