13.06.2022 12:08 |

Rückzug offiziell

Platter: „Richtiger Zeitpunkt, einmal ist genug“

Nun ist es offiziell: Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) wird sich im Herbst nach 14 Jahren im Amt aus der Landespolitik zurückziehen. Das gab der 68-Jährige am frühen Montagnachmittag nach einer Sitzung des ÖVP-Landesparteivorstandes bei einer Pressekonferenz in Innsbruck bekannt. Als sein Nachfolger wurde Wirtschaftslandesrat Anton Mattle einstimmig bestimmt.

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Mit Platters Rückzug geht eine Ära zu Ende. Der 68-jährige Oberländer aus Zams (Bezirk Landeck) ist seit 1. Juli 2008 Landeshauptmann von Tirol. Er trat damals die Nachfolge von Herwig van Staa an, nachdem dieser bei der Landtagswahl ein Minus von fast 10 Prozent für die ÖVP eingefahren hatte. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Es ist einmal genug“, so Platter zu seinem Rückzug.

Er bleibe jedenfalls bis zur Landtagswahl, die am Herbst stattfinden soll, im Amt. Platter nannte den 25. September als Wunschtermin. Mattle bleibt bis dahin Wirtschaftslandesrat. Zunächst stand noch ein vorzeitiger Wechsel an der Spitze im Raum, man habe sich dann aber auf diese Vorgehensweise geeinigt.

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Wenn man über Tage diskutiert, ist die Geschlossenheit in Gefahr. Nachdem Anton Mattle mir zugesagt hatte, habe ich gesehen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für die Übergabe ist.

Günther Platter

„Anfeindungen, Beleidigungen, Drohungen“
Er habe in den vergangenen Wochen und Monaten viel nachgedacht. Vor allem die letzten Jahre - Stichwort Corona-Pandemie - seien eine enorme Herausforderung gewesen. „Es gab Anfeindungen, Beleidigungen und Drohungen. Nicht nur gegen mich, sondern auch gegen mein persönliches Umfeld“, so Platter. Teilweise habe es gegen ihn sogar Morddrohungen gegeben.

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Anton Mattle genießt in der Bevölkerung und auch über Parteigrenzen hinaus Anerkennung. Er hat eine enorme Energie, das Land in eine gute Zukunft zu führen.

Günther Platter

Der Noch-Landeshauptmann sei sich sicher, dass in diesen herausfordernden Zeiten der nächste Landeschef fünf Jahre im Amt bleiben muss. „Das wäre sich bei mir nicht mehr ausgegangen“, so Platter. Mattle habe schon mehrmals bewiesen, dass er Wahlen gewinnen kann. „Er genießt in der Bevölkerung und auch über Parteigrenzen hinaus Anerkennung. Er hat eine enorme Energie, das Land in eine gute Zukunft zu führen.“ Platter werde Mattle jedenfalls im Wahlkampf unterstützen.

Vom Bürgermeister zum Minister und Landeshauptmann
Platter war 36 Jahre in der Politik. „Als Bürgermeister, Landesrat, Nationalrat, Minister und die letzten 14 Jahre als Landeshauptmann. Und die Aufgabe als Landeshauptmann war zweifelsohne die schönste Aufgabe“, schilderte er bei der Pressekonferenz in Innsbruck. Die schönen Momente würden klar überwiegen. „Es gab aber auch den einen oder anderen Tag, den ich kein zweites Mal erleben möchte“, so Platter weiter.

Rückzieher nach Ankündigung
Noch vor einem Jahr hatte Platter klargestellt, dass er bei der nächsten Landtagswahl noch einmal antreten werde. Bei einem Erfolg hätte er seine vierte Amtszeit als Landeshauptmann angetreten. Der frühere Verteidigungs- und Innenminister ist bereits jetzt der am zweitlängsten amtierende Landeshauptmann in der Tiroler Polit-Geschichte. Nur der legendäre Eduard Wallnöfer regierte länger - nämlich 24 Jahre, von 1963 bis 1987.

„Heute ist ein spezieller Tag für mich“
Der designierte Nachfolger Platters betonte: „Heute ist ein spezieller Tag für mich.“ Er sei stolz, dass man ihm diese Aufgabe anvertraut hat, die Tiroler Volkspartei in die nächste Landtagswahl zu führen. Weil die Familie seine Entscheidung letztlich mitgetragen habe, sei es ihm recht leicht gefallen, diese Aufgabe zu übernehmen. Mattle machte klar, dass er keinesfalls nur ein Übergangslandeshauptmann sein wolle. „Ich setzte das langfristig an“, betonte er. Er sei schließlich „bekannt für Kontinuität“.

Mattle als Krisenmanager bei Jahrhundertlawine
Mattle gilt als allseits - auch über Parteigrenzen hinweg - geschätzter Polit-Profi. Der 59-Jährige wurde 1963 in Zams - Platters Heimat - geboren. Viele Österreicher lernten ihn bereits 1999 aus dem Fernseher kennen, als er bei der Lawinenkatastrophe in Galtür als Bürgermeister auftrat und die mehrere Tage andauernde Ausnahmesituation organisierte. Als die mächtige Staublawine ins Dorf hereinbrach, war Mattle bereits seit sieben Jahren Ortschef. Sechs Jahre zuvor wurde er mit nur 23 Jahren zum Vizebürgermeister der kleinen Gemeinde im Tiroler Paznaun gewählt.

2003 wagte Mattle, der 1989 die Meisterprüfung in Radio- und Fernsehtechnik abgelegt hatte, schließlich den Sprung in die Landespolitik. Seither war er Mitglied des Tiroler Landtages, zehn Jahre später wurde er erster Landtagsvizepräsident. Erst im Vorjahr war er nach einer Personalrochade in die Landesregierung berufen worden.

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