"Mein Traum ist wahr geworden. Ich habe mein Leben lang dafür gearbeitet", sagte der überglückliche Djokovic nach den "größten Gefühlen, die ich je auf dem Platz hatte".
Djokovic durchbricht Federer-Nadal-Dominanz
Seit dem 2. Februar 2004 hatte immer einer der beiden langjährigen Dominatoren an der Spitze des Rankings gethront - nun durchbrach Djokovic ihre Phalanx. Am Montag wird der Davis-Cup-Sieger erstmals als neue Nummer eins geführt - der Lohn für seine herausragende Saison. Gegen den toll kämpfenden Tsonga baute Überflieger Djokovic seine imposante Jahresbilanz auf 47:1 Siege aus. "Er hat immer davon geträumt, ein Wimbledon-Finale zu erreichen. Das ist sehr speziell", kommentierte BBC-Experte Boris Becker.
Überraschungsmann Tsonga machte anfangs genau da weiter, wo er gegen den sechsfachen Wimbledon-Champion Federer aufgehört hatte. In seinem dritten Major-Halbfinale nahm der 26-Jährige dem Serben gleich das erste Aufschlagsspiel ab und hielt bis zum 5:4 die Führung. Doch dann zeigte sich die ganze Klasse des bisherigen Weltranglisten-Zweiten. Erst ein Break zum Ausgleich, dann nervenstark im Tiebreak - plötzlich lag Djokovic in seinem fünften Grand-Slam-Halbfinale in Serie vorne.
Begeisternde Partie reißt Zuschauer mit
Djokovic und Tsonga rissen die Zuschauer immer wieder zu Begeisterungsstürmen hin. Spektakulär vor allem ihre Ballwechsel mit doppeltem Becker-Hecht. Gleich dreimal segelten die Kontrahenten am Netz durch die Luft, zweimal mit dem besseren Ende für Tsonga, einmal behielt Djokovic bei den Flugeinlagen die Oberhand. Die Standing Ovations der knapp 15.000 Tennis-Fans waren ihnen sicher. Doch so spektakulär Tsongas Spiel auch war, gegen Djokovic' konstante Klasse fand der 26-Jährige auf dem Centre Court nur selten das richtige Rezept.
Den zweiten Satz holte sich Djokovic im Schnelldurchgang. Und im Tiebreak des dritten Durchgangs hatte der 25-fache ATP-Turniersieger zwei Matchbälle, ehe Tsonga mit toller Moral eine Verlängerung erzwang. Am Ende benötigte Djokovic drei Stunden und sieben Minuten, um im achten Match gegen das Kraftpaket den dritten Erfolg zu feiern. Damit bleibt Federer der einzige Akteur, der den serbischen Topmann in diesem Jahr bezwungen hat. Der Schweizer war im Halbfinale der French Open siegreich.
Nadal nach Sieg über Murray ebenfalls im Endspiel
Am Abend machte der Spanier Nadal in einer Neuauflage des Vorjahres-Halbfinales mit einem 5:7, 6:2, 6:2, 6:4 über Andy Murray die Hoffnungen der englischen Tennis-Fans auf den ersten Heimsieg seit 75 Jahren zunichte. "Ich bin sehr glücklich, wieder im Finale zu sein. Gegen Novak wird es sehr schwierig für mich werden", sagte French-Open-Sieger Nadal.
Wie für seinen Vorgänger Tim Henman scheint hingegen auch für Murray die Last der Erwartungen erdrückend gewesen zu sein. Zwar gewann der 24-Jährige den ersten Satz, doch danach biss sich der zehnfache Grand-Slam-Champion Nadal in die Partie und machte seinen 20. Erfolg in Wimbledon nacheinander souverän perfekt.
Für den Showdown gegen Nadal ist Djokovic guter Hoffnung. "Ich glaube fest daran, dass ich gegen ihn gewinnen kann", sagte der Serbe mit Blick auf das Finale furioso der 125. All England Championships am Sonntag. Mut macht ihm zusätzlich, dass er den Spanier in dieser Saison bereits in vier Endspielen geschlagen hat.
Melzer im Mixed-Halbfinale
Ein Erfolgserlebnis gab es am Freitag auch für einen Österreicher: Jürgen Melzer zog mit seiner Mixed-Partnerin Iveta Benesova aus Tschechien kampflos ins Halbfinale ein. Die US-Amerikaner Bob Bryan/Liezel Huber traten zum Viertelfinale nicht an. Bob Bryan hatte am Nachmittag mit seinem Bruder Mike Bryan mit einem kräfteraubenden 6:4, 6:4, 6:7(8), 6:7(4), 9:7 über Nenad Zimonjic/Michael Llodra das Herren-Doppel-Finale erreicht. Melzer/Benesova bekommen es in der Vorschlussrunde mit Daniel Nestor/Chan Yung-jan zu tun.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.