12.05.2022 06:37 |

Hohe Gas-Abhängigkeit

Krieg trübt Österreichs Wirtschaft über Jahre

Wie aus der aktuellen Wifo-Prognose hervorgeht, dämpft der russische Angriffskrieg auf die Ukraine das Wirtschaftswachstum in Österreich bis über die Mitte des Jahrzehnts hinaus. Von 2022 bis 2026 wird der BIP-Anstieg im Schnitt um einen halben Prozentpunkt abgebremst, statt um 2,6 Prozent im Jahr, wie noch im November angenommen, scheinen jetzt nur 2,1 Prozent jährlich an realem Wachstum realistisch. Der Arbeitsmarkt erholt sich nach Corona aber rascher.

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Heuer dürfte Österreichs Volkswirtschaft, wie schon Ende März zur Frühjahrsprognose vorhergesagt, um 3,9 Prozent wachsen, heißt es aktuell - bis 2026 erfolgt aber eine Abschwächung auf nur noch 1,4 Prozent. Trotz Abschwächung des Wirtschaftswachstums führt die zunehmende Arbeitskräfteknappheit zu einem merklichen Rückgang der Arbeitslosenquote: Sie dürfte schon heuer mit 6,7 Prozent das Vorkrisenniveau erreichen und bis 2026 auf 6 Prozent sinken.

Haushalte profitieren von Erspartem
Der Privatkonsum dürfte im gesamten Prognosezeitraum von den 2020/21 während der Lockdowns angesammelten Ersparnissen profitieren und daher im Jahresschnitt um 2,3 Prozent zulegen können, beginnend mit plus 3,9 Prozent heuer. Für die Exporte sieht man pro Jahr 3,8 Prozent Zuwachs, für die Importe 3,7 Prozent, dabei heuer plus 6,1 bzw. plus 4,6 Prozent. Die Investitionen werden dieses Jahr noch durch die Investitionsprämie gestützt. Bis 2024 wird eine Abschwächung erwartet, danach ab 2025 durch KÖSt-Senkung und Öko-Investfreibetrag ab 2025 wieder eine Zunahme.

Krieg erhöht Unsicherheit
Der Ukraine-Krieg erhöht die wirtschaftliche Unsicherheit, dämpft die Konsum- und Investitionsfreudigkeit und verteuert vor allem Energie: „Aufgrund der stärkeren Abhängigkeit Österreichs von russischem Erdgas wird das heimische BIP bis 2026 um durchschnittlich 0,1 Prozentpunkt pro Jahr schwächer wachsen als im Euroraum“, so das Wifo in seinem Update zur Mittelfristprognose.

Den Euroraum sieht das Wifo heuer real nur noch um 3,2 Prozent zulegen. Zuletzt war man noch von plus 4,7 Prozent ausgegangen. Im Schnitt der Jahre 2022 bis 2026 dürfte die Eurozone aus Wifo-Sicht um 2,2 Prozent pro Jahr wachsen.

Omikron verstärkt Problematik
Der kräftige Preisauftrieb auf dem Weltmarkt, der bereits 2021 eingesetzt hatte, wird 2022 durch die Omikron-Welle in China und den Ukraine-Krieg noch verstärkt und verlängert. Getragen wird der Preisauftrieb vor allem vom starken Anstieg der Energiepreise. Und die ab 1. Juli wirksame CO2-Bepreisung wird etwa 0,1 Prozentpunkte zu Österreichs Teuerung beitragen.

Große Teuerungswelle kommt noch
Da die Energiepreisanstiege im europäischen Großhandel erst verzögert an die Privathaushalte weitergegeben werden, wird der Bereich Haushaltsenergie auch 2023 zur Teuerung beitragen. Ein - im Jahresschnitt - negativer Inflationsbeitrag dürfte dagegen von den Mineralölprodukten ausgehen, heißt es. Durch die inflationsbedingt höheren Bruttonominallohnabschlüsse pro Kopf im heurigen Jahr (plus 3,4 Prozent) wird für 2023 ein höherer inländischer Preisdruck angenommen.

Die Inflationsrate wird für heuer in Österreich bei 5,8 Prozent im Jahresschnitt erwartet, im Vorjahr waren es 2,8 Prozent, und auch für 2023 werden übers Jahr noch 3,2 Prozent prognostiziert. Die Nettoreallöhne pro Kopf dürften heuer dabei um 1,1 Prozent zurückgehen, 2023 aber wohl um 1,6 Prozent steigen.

Bei Gas-Stopp droht wirtschaftlicher Einbruch
Zu Erdöl und Erdgas wurde - wie zur letzten vierteljährlichen Konjunkturprognose von März - auch nun angenommen, dass diese beiden Energieträger weiter von Russland in die EU fließen und die EU-Sanktionen gegen Russland weiterhin keinen Importstopp dieser beiden Rohstoffe vorsehen. Wegen der in Österreich recht hohen Abhängigkeit von russischem Gas wird für den Fall eines Lieferstopps betreffend die heimische Industrie und die Stromerzeugung mit einem stärkeren wirtschaftlichen Einbruch gerechnet als in Deutschland.

Für Deutschland würden für ein Szenario eines Gaslieferstopps bzw. eines Embargos aktuelle Schätzungen mit einem dortigen BIP-Rückgang zwischen drei und sechs Prozent ausgehen, so das Wifo.

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